Obsessed : Ich will dich

Die liebestolle Stalkerin: Steve Shills "Obsessed“ knüpft an Adrian Lynes Klassiker "Eine verhängnisvolle Affäre“ an.

Martin Schwickert
Larter
Lisa (Ali Larter) -Foto: Sony

Dass „Obsessed“ sich am Startwochenende direkt auf den ersten Platz der US-Filmcharts katapultieren konnte, liegt wohl allein am Beyoncé-Effekt. Dabei hat die Pop-Diva, die kürzlich in „Cadillac Records“ durchaus schauspielerisches Format bewiesen hat, hier in den ersten 90 Filmminuten nur eine schlecht geschriebene Nebenrolle, sitzt als zunehmend frustrierte Hausfrau und Mutter im neu erworbenen Eigenheim und dient vornehmlich als gut aussehende Garantin für die Unverführbarkeit des geplagten Helden.

„Ich bin ein glücklich verheirateter Mann“, betont der smarte Finanzberater Derek (Idris Elba) immer wieder. Aber selbst die aufrichtigsten Treuegelübde schützen ihn nicht vor den Avancen der neuen Aushilfssekretärin Lisa (Ali Larter), die sich immer aggressiver an den Vorgesetzten ranmacht. Es fängt an mit ein paar beiläufig fallen gelassenen Akten, steigert sich schon bald zu handfesten Übergriffen auf der Herrentoilette, halb nackten Angeboten in der Tiefgarage bis hin zum fingierten Selbstmordversuch im Hotelzimmer bei einer Dienstreise. Im Minenfeld zwischen innerbetrieblicher Gerüchteküche, sexuellen Belästigungsparagrafen und ehelichen Eifersuchtsszenarien verzichtet der geplagte Anlageberater auf eine Anzeige in der Personalabteilung und riskiert damit Job und Familienglück.

Unübersehbar knüpft „Obsessed“ an Adrian Lynes Klassiker „Eine verhängnisvolle Affäre“ (1987) an, nur dass Steve Shills Version deutlich eindimensionaler ausfällt. Da kann sich Ali Larter noch so sehr als blondes Gift in der Nachfolge von Glenn Close oder Sharon Stone abmühen, das Drehbuch gönnt dem treuen Familienvater nicht den kleinsten Moment der Versuchung. Schließlich wartet auf den Mann zu Hause Beyoncé Knowles. Wer sollte sich da schon mit psychopathischen Aushilfssekretärinnen abgeben wollen? Immerhin lockt ein Finale, in dem Beyoncé die militante Blondine nach allen Regeln aufreizender Kampfkunst erledigen darf. Die Fans werden begeistert sein.

In acht Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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