Österreich : Filmegisseur Franz Antel ist tot

Er war bekannt für Komödien mit Hintergedanken und Schlüpfriges: Der Regisseur Franz Antel ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Zu seinen bekanntesten Filmen gehörten "Auf der Alm, da gibt's ka Sünd" und "Hallo Dienstmann".

Irmgard Schmidmaier,Ivonne Marschall[dpa]
Franz Antel
Österreichischer Altmeister: Der Regisseur Franz Antel. -Foto: dpa

WienFür den österreichischen Filmregisseur Franz Antel war Humor ganz unverzichtbar. "Wenn man die Dinge in Humor verpackt, werden sie zumutbar", sagte er einmal. In der Nacht zum Sonntag starb Antel 94-jährig in einem Wiener Pflegeheim, wie ein Sprecher des Künstlers mitteilte. Er sei "sanft entschlafen".

Im Laufe seines Lebens verantwortete der am 28. Juni 1913 geborene Antel mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen. Bekannt wurden unter anderem "Hallo Dienstmann" mit Hans Moser in der Hauptrolle oder "Oberst Redl". In den 60er und 70er Jahren drehte Antel aber auch die schlüpfrigen "Wirtinnen"-Sexfilme. Lange galt er als Inbegriff des österreichischen Films.

Auch bei harten Kritikern anerkannt

Zeitgeschichte verfilmte Antel als als vielschichtige Komödie: "Der Bockerer" wurde 1981 zu einem Kultfilm. Es war ein tragikomischer Blick auf Österreich im Dritten Reich aus Sicht eines Fleischermeisters. Antel baute die Geschichte zur vierteiligen Serie aus. Der österreichische Schauspieler Karl Merkatz wurde beim Moskauer Filmfestival 1982 für seine Darstellung des Karl Bockerer ausgezeichnet.

Der Regie-Altmeister hatte nie Berührungsängste mit der leichten Unterhaltung. Sein Name ist auch mit Titeln wie "Auf der Alm, da gibt's ka Sünd" oder "Die Wirtin von der Lahn" verbunden. In "Hallo Dienstmann", "Der Kongress tanzt" oder "Kaiserwalzer" zeichnete er ein harmlos-gemütliches Österreich-Bild. Doch nicht einmal seine Kritiker konnten ihm künstlerische, handwerkliche und wirtschaftliche Kompetenz absprechen.

Von Kindheit an hatte es Antel zum Film gezogen. Als 14-Jähriger bettelte er seiner Mutter eine Filmkamera ab, mit der er fortan in seiner Freizeit experimentierte. Nach dem Abitur besuchte er 1931/32 die Wiener Tonfilmschule, arbeitete als Kamera-Assistent und Regieassistent, wurde schließlich Produktionsleiter. Im Zweiten Weltkrieg wurde er bei Propaganda-Kompanien und zur Gruppenbetreuung eingesetzt und geriet in russische Gefangenschaft.

Seichte Sexfilmchen in den 70ern

In den Nachkriegsjahren verhalf der versierte Regisseur und Drehbuchschreiber Schauspielern wie Josef Meinrad, Freddy Quinn, Winnie Markus oder Renate Holm zu Leinwandprominenz in Heimatfilmen. Seine Ausflüge in die erotische Klamotte in den 70er Jahren quittierte er später in seiner Autobiografie lapidar mit "auch ein schlechter Ruf verpflichtet". Seine schlüpfrige "Wirtinnen"-Serie wurde zum Inbegriff des seichten Sexfilmchens.

Energisch leitete Antel noch in seinen 90ern Dreharbeiten und war Fixpunkt in der Wiener Society. Die letzten Jahre jedoch brachten eine dramatische Verschlechterung seines Gesundheitszustands, Gerüchte über seine persönliche und finanzielle Situation kamen hinzu. Antel verbrachte die letzten Lebensjahre in einem Pflegeheim im Wiener Nobelbezirk Währing.

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