Oscar-Verleihung : Das Leben der Einen

Halbes Gold für Deutschland: Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“ gewinnt den Auslands-Oscar. Der österreichische Film ist eine deutsche Koproduktion. Gedreht wurden viele Szenen in den Filmstudios Babelsberg.

Christiane Peitz

„Der Oscar strahlt auf Babelsberg“, freut sich Brandenburgs MInisterpräsident Matthias Platzeck – und weil die dortigen Studios vor den Toren der Stadt liegen, fällt ein Schimmer vom Oscar-Glamour auch auf Berlin. In Babelsberg wurden etliche KZ-Szenen von Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“ gedreht und kofinanziert. Ohnehin ist der österreichische Oscar-Gewinner eine deutsche Koproduktion.

„Ja, es ist genau Fifty-Fifty“, nimmt die überglückliche Hamburger Produzentin Nina Bohlmann in Los Angeles die Glückwünsche telefonisch entgegen. Die Hamburger Firma Magnolia hat den Film gemeinsam mit Josef Aichholzer aus Wien produziert, mit einem in Deutschland entwickelten Stoff, einem österreichischen Regisseur und Schauspielern aus beiden Ländern. Gemeinsam saßen sie am Sonntagabend im Kodak-Theatre: neben den Produzenten und Ruzowitzky samt Ehefrau Birgit auch Hauptdarsteller Karl Markovics sowie der 90-jährige KZ-Überlebende Adolf Burger, dessen Sachsenhausen-Erinnerungen Magnolia einst für die Filmrechte optiert hatte. „Er war außer sich“, so Bohlmann. „Man muss sich das vorstellen. Er ist 1917 geboren, 90 Jahre später kommt ein Film über einen wichtigen Teil seines Lebens ins Kino und schließlich gibt es einen Oscar dafür.“

Gefeiert wurde nach der Gala in der Villa des österreichischen Konsuls Martin Weiss, „leider ohne unsere anderen Schauspieler“, bedauert Bohlmann. August Diehl ist krank, Devid Striesow spielt Theater, auch Marie Bäumer war verhindert. Dass „Die Fälscher“ auf der Berlinale 2007 für Deutschland in den Wettbewerb ging, sich auch um den Deutschen Filmpreis bewarb, am Oscar-Rennen jedoch für Österreich teilnahm – darauf hatte man sich schon früh verständigt.

Ein allererster Auslands-Oscar also für Österreich und noch ein halber für Deutschland: eine Überraschung. Schließlich war die Trophäe erst im Vorjahr an Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ gegangen. Auf den zweiten Blick bestätigt der Zuschlag für Ruzowitzky allerdings die gute alte Tradition jener Auslandsoscars, mit denen Filme über die NS-Zeit („Das Leben ist schön“, 1999) oder andere Unrechtsregime („Tsotsi“, 2005) geehrt wurden. Amerika liebt alle, die gegen die Unfreiheit kämpfen.

Über die Auslands-Oscars entscheidet nicht die gesamte Academy, sondern eine Riege vor allem älterer Mitglieder, die Zeit für untertitelte Vorführungen haben. Vermutlich befinden sich besonders viele Emigranten darunter. So ist es kein Wunder, dass das Votum nach Donnersmarcks Stasi-Drama – das ja auch Themen wie Täter und Opfer, Schuld, Verrat, Verstrickung behandelt –, erneut der Regel Hitler sells folgt. Die Geschichte von den jüdischen Geldfälschern im KZ, die aus Überlebensnot oder aus Idealismus die Nazi-Kriegsstrategien sabotierten, reiht sich ein in die lange Serie typischer deutscher Oscar-Kandidaten: 2006 war „Sophie Scholl“ nominiert, 2005 „Der Untergang“, 2003 gewann Caroline Links Melodram „Nirgendwo in Afrika“, 1983 erhielt „Das Boot“ sechs Nominierungen, 1981 wurde István Szabós ungarisch-deutsche Koproduktion „Mephisto“ ausgezeichnet und 1979 Schlöndorffs „Blechtrommel“.

Bloß die Deutschen haben sich für Ruzowitzkys solide Historienerzählung bislang kaum interessiert. Knapp 70 000 Zuschauer zählte sie hierzulande; in Großbritannien waren es dreimal soviel. Vielleicht sorgt der Oscar ja für belebende Wirkung: Mit 37 Kopien kommt der Film nun erneut ins Kino. Christiane Peitz

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