''Prinz Kaspian'' : Der göttliche Löwe

Im zweiten Teil der "Chroniken von Narnia" verrät Regisseur Andrew Adamson die Figuren und die Komik der Buchvorlage an einen doofen Fantasy-Krieg.

Thomas Lackmann
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Schlachtengetümmel in Narnia. -Foto: dpa

Wurzeln watscheln, Äste grabschen. Der Wald marschiert. Das Heer flieht. Die Kolonisatoren hatten in Narnia, dem Land der sprechenden Tiere und Fabelwesen, die Bäume gerodet, das Märchenpersonal ausgerottet, Erinnerung ausgelöscht. Jetzt brüllt Aslan. Der göttliche Löwe ist in das Reich zurückgekehrt, das er geschaffen hat. Seine gepeinigte Kreatur erwacht. Der Fluss erhebt sich als turmhoher Neptungigant vor verstörten Soldaten in die Lüfte, die Brücke fliegt auseinander. Das Eingreifen des deus ex machina und seiner Getreuen gehört zu den schönsten Bildern des zweiten Narnia-Films: Weltveränderungspathos, Paradiessehnsucht, religiös grundierte Ökobotschaft – aufgemischt durch Pointen angelsächsischen Humors.

Über weite Strecken seines 144-Minuten-Epos „Prinz Kaspian von Narnia“ aber verrät Andrew Adamson („Shrek“) Komik, Psychologie, Geist und Figuren seiner Buchvorlage an einen doofen Fantasy-Krieg. Eigentlich erzählen die sieben Narnia-Bücher des Oxforder Professors C. S. Lewis, als einzigartige Mischung aus Märchenkosmos, englischer Ironie, altmodischen Tugenden, Kinderabenteuern und spirituellem Reifungsroman, eine in phantastische Welten projizierte Nachbildung christlicher Heilsgeschichte. Adamsons erster Narnia-Erfolg („Der König von Narnia“, 2005) hatte diese Mixtur noch mit Hollywood-Marketing fast in Einklang gebracht.

Das Wunder wiederholt sich nicht. Während bei Lewis auf 13 von 182 Kaspian-Seiten gekämpft wird, protzt Adamson die halbe (gefühlte) Filmzeit mit Schlachtanimation und martialischem Bonbon-Sound. Der zum Befreier gemauserte Kolonisatorenprinz (Ben Barnes) und das aus „unserer“ Welt nach Narnia, in versunkene Ruinen ihrer vorzeitigen königlichen Erlebnisse als Rettungsteam zurückgebeamte heldenhafte Teeniequartett der „Adamssöhne“ und „Evastöchter“: statische Comic-Charaktere ohne Entwicklung. Und der spirituelle Kern des Buches – gegen die Mehrheit einer inneren Stimme zu folgen wie Lucy, die den ersehnten Aslan allein sieht und als Spinnerin abgetan wird – verpufft. Thomas Lackmann

In 23 Berliner Kinos; Originalversion im

Cinestar SonyCenter

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