RAF-Film : "Baader-Meinhof-Komplex" feiert Premiere

Mit großem Staraufgebot ist die neueste Verfilmung des RAF-Stoffes, "Der Baader-Meinhof-Komplex", in München uraufgeführt worden. Für besonderen Grund zur Freude sorgte die Nominierung des Films für das Rennen um den Auslands-Oscar.

bmk
Die beiden Hauptdarsteller Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu: Sie spielen Ulrike Meinhof und Andreas Baader. -Foto: dpa

MünchenIm Beisein vieler Stars aus dem deutschen Filmgeschäft hat das RAF-Drama „Der Baader Meinhof Komplex“ am Dienstagabend in München seine mit Spannung erwartete Premiere gefeiert. Auf dem roten Teppich vor dem Mathäser Filmpalast versammelten sich unter anderem Regisseur Uli Edel, Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger und die Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek, Nadja Uhl und Bruno Ganz.

Regisseur freut sich auf lebhafte Diskussionen

Edel sagte, er erhoffe sich lebhafte Diskussionen auf einer neuen Ebene. "Der Film soll im Kopf des Zuschauers weiter gehen“, sagte er. Gedeck, die im Film die Terroristin Ulrike Meinhof spielt, betonte: "Ich glaube, dass der Film zeigt, was es war - ein schreckliches Blutbad und eine Sackgasse.“

Für große Freude hatte bereits Stunden vor Beginn der Uraufführung bei den Filmemachern die Nachricht gesorgt, dass "Der Baader Meinhof Komplex“ ins Rennen um den Auslands-Oscar geht. Das zweieinhalbstündige Politdrama nach dem gleichnamigem Buch von Ex-"Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust setzte sich gegen vier andere deutsche Beiträge durch. Die unabhängige Fachjury lobte, der Film über die Rote Armee Fraktion erlaube einen Blick auf die Zeit der frühen 70er Jahre der Bundesrepublik Deutschland, "ohne dabei die Täter zu glorifizieren".

Gedeck fand Waffentraining schrecklich

Schauspielerin Martina Gedeck (47) fand bei den Dreharbeiten das Waffentraining "schrecklich“. "Ich mag Waffen nicht, ich mag Waffen auch nicht anfassen, ich kann dem überhaupt nichts abgewinnen“, sagte Gedeck am Dienstag bei der Weltpremiere des Films, in dem sie als Terroristin Ulrike Meinhof zu sehen ist. Es sei für sie erstaunlich, dass die RAF-Mitglieder damals so selbstverständlich mit Waffen umgegangen seien. "Sich monatelang in so einer Gewaltspirale zu bewegen, war schon nicht ganz ohne.“ Als es vorbei gewesen sei, habe sie gemerkt, wie froh sie darüber war.

Schauspielerin Nadja Uhl (36) hält ebenfalls nicht viel von Revolution. "Ich versuche, im Stillen Gutes zu tun, Charity-Projekte oder mich für Behinderte zu engagieren oder für straffällige Jugendliche. Da kann jeder mit anpacken, da muss man nicht gleich die Weltrevolution herbeiführen“, sagte Uhl am Dienstagabend. "Ich höre so oft, dass sich die Jugendlichen für nichts mehr engagieren können, weil es nichts gibt, wofür man noch kämpfen kann." Dabei gebe es genug Themen wie Umwelt, Globalisierung oder Demonstrationen gegen Rechts. "Es gibt viel zu tun, auch auf friedlichem Wege.“

Die 36-Jährige spielt in dem Film die Terroristin Brigitte Mohnhaupt und ist in dieser Rolle unter anderem an der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto beteiligt. "Der Rebell steckt in mir sehr, die Mörderin nicht", bekannte Uhl. Rebellisch zu sein sei sehr wichtig, aber so, dass die anderen noch zuhören wollen und können. "Wenn man Rebell ist im Sinne der Zerstörung und keiner versteht das oder kann das nachvollziehen, dann ist das damit nicht getan."

Aust: Entmystifizierung der RAF

Der Film beginnt mit den Studentenprotesten Ende der 60er Jahre und endet mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 auf dem Höhepunkt des Terrors im "Deutschen Herbst".

Buchautor Aust, der als Berater an dem Film mitgewirkt hat, nahm ebenfalls an der Premiere teil. Er hatte schon am Morgen in einem Interview betont, das Drama trage seiner Einschätzung nach zur Entmystifizierung der Rote Armee Fraktion (RAF) bei. Der Film sei zwar ein künstliches Produkt und keine Dokumentation, aber lehne sich nah an die Realität zwischen 1967 und 1977 an. Aust lobte die Auswahl der Schauspieler. "Ich finde, die Rollen sind bis zu den Nebenrollen super besetzt“, sagte er.

Am 25. September läuft "Der Baader Meinhof Komplex“ bundesweit in den Kinos an. (nal/dpa/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar