''Redbelt'' : Herr der Ringer

David Mamets Film "Redbelt" spielt in der Welt der Mixed Martial Arts. Dieser Kampfsport mischt Boxen, Ringen und Judo mit Selbstverteidigungstechniken des südamerikanischen Jiu-Jitsu und feiert weltweit gewaltige Erfolge.

Bodo Mrozek

Ein Mann hält einen anderen im Würgegriff und drückt ihm die Luft ab. Gefangen in der eisenharten Umarmung gerät das Opfer in Panik, hyperventiliert. Mike Terry steht daneben und beobachtet den Zweikampf ungerührt. „Es gibt aus jeder Situation eine Befreiung“, sagt er ruhig.

In Mikes Welt gibt es immer einen Ausweg. Er lehrt die Kampfkunst Brasilian Jiu-Jitsu, die einem strengen Ehrenkodex gehorcht. Wer sie erlernen will, muss erst einmal lernen, sich selbst zu besiegen. Kämpfe werden nicht nur mit Muskeln und Techniken gewonnen, sondern auch mit dem Kopf. Wettkämpfe lehnt Terry ab: Weil sie die Kampfkunst korrumpieren. Wer durch die Tür von Terrys Dojo tritt, muss erst einmal für ein paar Minuten schweigen, „um die Außenwelt draußen zu lassen“. Draußen vor der Tür der an chronischen Geldsorgen leidenden Selbstverteidigungsschule liegen zwei andere Welten: die arme West Side von Los Angeles und das reiche Hollywood. Eines Tages tritt eine verwirrte Frau durch diese Tür. Kurz darauf fällt ein unbeabsichtigter Schuss, und Terry rettet einen Filmstar aus einer Kneipenschlägerei. Von da ab vermischen sich die so sorgsam getrennten Welten: Armut und Reichtum, Fairness und regelloser Kampf.

David Mamets Film „Redbelt“ spielt in der Welt der Mixed Martial Arts. Dieser Kampfsport mischt Boxen, Ringen und Judo mit Selbstverteidigungstechniken des südamerikanischen Jiu-Jitsu und feiert weltweit gewaltige Erfolge. Der Reiz liegt für Wettkämpfer und Zuschauer im Wettkampf der Stile: Welche Kampfsportart ist die beste? Kritiker halten den regelarmen MMA entgegen, sie seien blutig, brutal und unästhetisch. Der Dokumentarfilm „Red Belt“ zeigt den Kampfsport abseits dieser Klischees. Auch den Martial-Arts-Film versucht er aus dem Würgegriff der Genregesetze zu befreien. Er beginnt wie ein Episodenfilm und erinnert in seinen besten Momenten an „Magnolia“ oder „L. A. Crash“.

Leider hält er das nicht durch. Weil ein Kampfsportfilm einen finalen Fight braucht, verstrickt sich „Red Belt“ in eine reichlich krude Verschwörungstheorie. Finstere Geschäftemacher zwingen den Trainer mit obskuren Tricks in den Ring eines medialen Showkampfes. Mike Terry tritt gegen einen MMA-Champion an, gespielt vom echten Kampfsport-Star John Machado. Die Beiläufigkeit, mit der Mamet den unvermeidlichen Endkampf inszeniert, ist nach einer mittelmäßigen Story dann wieder großartig: Es gibt aus jeder Situation eine Befreiung. Selbst für einen Film, der sich scheinbar hoffnungslos in einem schwachen Drehbuch verstrickt hat. Bodo Mrozek

Cinemaxx Hohenschönhausen und Potsdamer Platz, Cinestar Sony-Center (OV), Kino Kulturbrauerei, Moviemento

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