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Prima Ballerina: Angelina Jolie läuft als Kampfamazone im Totschieß-Thriller „Wanted“ zur Höchstform auf

Martin Schwickert

Wenn Wesley Gibson nach seinem eigenen Namen googelt, werden „keine übereinstimmenden Dokumente“ gefunden. Die Nichtexistenz im virtuellen Raum entspricht seinem Lebensgefühl in der Realität. Der Büroangestellte, gespielt von James McAvoy, ist ein Niemand, der sich von der Abteilungsleiterin Tag für Tag zur Schnecke machen lässt und von seiner Freundin mit seinem besten Kumpel betrogen wird. Eine solch schmachvolle Existenz ist ein Affront gegen jedes patriarchales Gerechtigkeitsempfinden, besonders in der Welt der Superhelden-Comics, in der sich Timur Bekmambetovs Thriller „Wanted“ bewegt.

Die Mutation vom Weichei zum Superhelden beginnt in einer Apotheke. Wesley will gerade seine Wochenration Psychopharmaka erwerben, als eine wilde Schießerei beginnt. Gerettet wird der Bürohengst von Angelina Jolie, die eine ballerwütige Kampfamazone gibt und ihm eine neue Existenz als Profikiller anbietet. Eine Beförderung vom Sesselpupser zum Hitman mit Angelina Jolie als Ausbilderin – wer kann da schon „nein“ sagen? Zumal die Angelegenheit, wie Morgan Freeman als Leiter des ordensartigen Mordunternehmens ausführt, ausschließlich der Rettung der Menschheit dient. In einem abgelegenen Fabrikgebäude ist das Schicksal der Erdbewohner schon in Form eines gewebten Tuches vorherbestimmt. Und wenn man gaaaanz genau hinschaut, erkennt man Webfehler, ungute Zeitgenossen, die dann wiederum von den geheimen Brüdern auf möglichst spektakuläre Weise abgeknallt werden.

Intelligente Drehbuchautoren hätten in diesen Plot vielleicht noch den ein oder anderen Subtext eingewoben, der auf die Ausweitung des Überwachungswahns, die Sehnsucht nach politischer Planbarkeit und dem wuchernden Sicherheitsbedürfnis der Post-9/11-Gesellschaft verweist. Aber solch intellektuelle Doppelbödigkeit ist Bekmambetovs Sache nicht. Schon in seinem russischen Kassenschlager „Wächter des Tages“ hatte der Kasache sein Faible für testosteronlastige Stoffe ausgelebt und auch „Wanted“ badet geradezu im gewalttätigen Machismo. Die hohl drehenden Actionsequenzen und überladenen CGI-Kompositionen sehen aus, als hätten Effektdesigner eine Überdosis Steroide geschluckt. Ein derartiges Männerfantasiegemälde, das mit seiner Kraftmeierei alle Peinlichkeitsgrenzen überrennt, hat man lange nicht mehr im Kino gesehen. Martin Schwickert

In 15 Berliner Kinos, OV im CineStar Sony Center

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