Satire : Im Fegefeuer

Die Filmsatire "New York für Anfänger" serviert kaum mehr als die vorhersehbaren Gags einer romantischen Komödie – und das arg einfallslos.

Laura Wieland
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Simon Pegg als Societyreporter. -Foto: ddp

Nervensägen sind dazu prädestiniert, ihre Umwelt abzuschrecken – und es kann durchaus amüsant sein, ihnen dabei zuzusehen. Manchmal ist es jedoch einfach nur ermüdend, etwa in „New York für Anfänger“. Der Anfänger ist hier der Londoner Sidney (Simon Pegg), der über Umwege bei einem Starmagazin in der US-Metropole landet. Doch statt zum namhaften Reporter zu avancieren, tappt der sozial inkompetente Grobmotoriker mit dem Hooligan-Gesicht von einem Fettnäpfchen ins nächste.

So weit, so gut, handelt es sich doch um die Verfilmung der satirischen und intelligenten Memoiren des Journalisten Toby Young. „High Snobiety oder Wie ich sie alle nervte“ nennt er den Erlebnisbericht über seine gescheiterte Karriere bei „Vanity Fair“ – und der Verleih wäre gut beraten gewesen, sich wenigstens beim Titel an die Buchvorlage zu halten. Auch sonst hätte man von Regisseur Robert Weide – in den USA feierte er mit der Sitcom „Lass es, Larry!“ Triumphe – nicht erwartet, dass er Youngs pointenreiche Abrechnung mit dem Promi-Zirkus zur Slapstick-Nummer verkommen lässt – und dann doch noch als romantische Komödie inszeniert.

Nur mangelt es dafür komplett an der Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Absolut schleierhaft etwa, warum sich Sidneys Kollegin Alison (Kirsten Dunst) in den aufdringlichen Egomanen verliebt. Überhaupt enttäuscht die restlos erschöpft wirkende Schauspielerin in dieser Rolle.

Immerhin: Jeff Bridges als Medienmogul guckt man gerne dabei zu, wie er dem arroganten Neuling die Leviten liest, und auch Gillian Anderson überzeugt als rabiate PR-Agentin, der Sidney weich gespülte Titelgeschichten über ihre Protegés liefert. Denn um in die auf Hochglanz polierte Welt der Schönen und Berühmten aufzusteigen, tauscht der anfangs unbestechliche Brite seine journalistische Integrität gegen Armani-Anzüge, Werbegeschenke und die Chance, mit möglichst vielen Models zu schlafen.

Pegg-Fans mögen dieser Mr.-Bean-Version von „Der Teufel trägt Prada“ ein paar Lacher abgewinnen können. Aber nicht einmal der britische Starkomiker vermag es, die zuweilen peinlich unkomischen Szenen zu retten. Statt einer bissigen Parodie auf den Boulevard serviert der Film kaum mehr als die vorhersehbaren Gags einer romantischen Komödie – und das arg einfallslos: Ein Schwein randaliert im Hotelzimmer, ein Transsexueller legt einen Büro-Striptease hin, ein Chihuahua findet ein grausames Ende. Letzterer überlebt zwar in Youngs Anekdote, auf der Leinwand aber fällt er der Clownerie zum Opfer. So wie die ganze Story.

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