''Selbstgespräche'' : Ausgeträumt

Alle sitzen sie in ihren Telefonboxen und führen Selbstgespräche mit dem unsichtbaren Gegenüber. Tristesse im Callcenter: der Film "Selbstgespräche"

Christina Tilmann

Wer Günter Wallraffs „Zeit-Magazin“Reportage aus Kölner Callcentern noch erinnert, hat die Infos zu „Selbstgespräche“ schon gebündelt. Da sind Zeitdruck, Konkurrenzdruck, aber auch Teamgeist – und da ist die bunte Schar prekärer Existenzen, die sich zur Arbeit versammelt. Auch André Erkau, der mit seinem Debüt in Saarbrücken den Max Ophüls Preis gewann, profitiert von eigenen Erfahrungen. Wenn dann auch noch Wallraff himself durchs Bild läuft, wirkt es wie eine nachträgliche Absicherung.

Hilft aber nichts: „Selbstgespräche“ ist ein Fernsehfilm. Und seine Typen sind Fernsehtypen. Glatt, vorhersehbar, ohne Entwicklung, ohne Ecken und Kanten. Und mit viel Vorlebensballast. Da ist die Architektin und alleinerziehende Mutter Marie (Antje Widdra), die doch wieder zu ihrem eigentlichen Job zurückfindet. Da ist das ungleiche Freundesduo Sascha und Adrian: der eine (Maximilian Brückner) verhinderter Medienstar und Dauerquatscher, der andere (Johannes Allmayer) Spätentwickler und Verkaufstalent beim Ferngespräch. Ein Paar, ein bisschen wie in Sebastian Schippers Komödie „Ein Freund von mir“, nur längst nicht so explosiv. Und da ist Agenturchef Richard (August Zirner), ein solariumbrauner Dauergrinser mit einem Privatleben, das die Bezeichnung nicht verdient. Sein Spruch: „Die Chinesen haben ein Wort für Krise, das sich aus den Zeichen für Chance und Gefahr zusammensetzt.“

Alle sitzen sie in ihren Telefonboxen und führen Selbstgespräche mit dem unsichtbaren Gegenüber. Ähnlich austauschbar wie diese Gespräche sind auch die Vorstellungen, wie das eigene Leben verlaufen sollte. Ein Job. Eine Freundin. Ein Kind. Das sind so die Träume. Wie schade, dass man beim Film nicht auflegen kann.

Broadway, Cinemaxx, FT Friedrichshain, Kulturbrauerei und Passage.

0 Kommentare

Neuester Kommentar