Kino : Sexy sächseln

Schlaffe Komödie: Marc Rothemunds „Pornorama“

Sebastian Handke

Eine Handvoll Menschen ohne Talent, Fortune und Erfahrung will reich werden. Und wie macht man das – in München-Ramersdorf und in den sechziger Jahren? Mit einem Aufklärungsfilm. Einem Film beispielsweise, der Klarheit schafft über den Zusammenhang von Selbstschändung und Maschinennäherei: „Pornorama – oder Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts“.

Klingt vielversprechend, was Drehbuchautor Stephan Puchner sich da ausgedacht hat für Marc Rothemunds („Sophie Scholl“) Rückkehr zur Komödie: ein Film über das Filmemachen in einer Zeit, als die Körper noch echt waren und die Schambehaarung opulent und als Ratgeber-Softcore à la „Schulmädchenreport“ dem Kinosterben ein Ende machte.

Bennie (Tom Schilling) gerät in Schwierigkeiten, weil er kurz vor der Vereidigung als Polizist steht, die Kommunardin Luzi (Karoline Herfurth) liebt und ein Sexfilmchen dreht, um seinem Bruder Freddie (Benno Fürmann) aus der Patsche zu helfen. Drei Situationen, die sich gegenseitig ausschließen und die er doch in Einklang bringen muss. Ein klassischer Komödienstoff, aus dem man allerhand machen könnte.

Dass dies misslingt, liegt zuerst an den Darstellern. Benno Fürmann ist gar nicht in der Lage, seine Gesichtszüge auch mal entgleiten zu lassen. Tom Schilling steht rum und guckt, Karoline Herfurth punktet vor allem mit ihren Sommersprossen. Michael Gwisdek, der einzige Komödiant im Ensemble, wird zum Sächseln genötigt: ein wahrer Anschlag auf die Ohren. Zum Glück gibt’s Valentina Lodovini als Gina Ferrari, eine Diva mit Ethos, die das melodramatische Potenzial italienischer Speisekarten zum Leben erweckt – und schließlich die Sache mit der Nähmaschine eher ungewollt, dafür leibhaftig in die Tat umsetzt.

Sehenswert auch die Filmschnipsel von damals. Die herrliche Naivität, die Bolero-Musik, die trockenen Ratschläge: „Diese Stellung ist nicht zu empfehlen, weil die Nase dann zwangsläufig zu nah an den After kommt.“ Doch das Problem des Films liegt gerade darin: Die vorsätzliche Komik der Handlung hält mit der unfreiwilligen Komik der Originale nicht Schritt – und der Mut zur Groteske, die hier die Lösung gewesen wäre, fehlt Rothemund. Die romantische Komödie voller sympathischer Figuren, die ihm vorschwebte, schöpft dagegen das Potenzial des Stoffs nicht annähernd aus. Das Ergebnis: ein kleinmütiges Lustspiel ohne Tempo – mit schönen Stellen zwar, aber irgendwie schlaff. Sebastian Handke

In 16 Berliner Kinos

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