''Sharkwater'' : Hai Society

Bilder aus der Hölle: Robert Stewarts Dokumentation "Sharkwater" erbarmt sich der gefürchteten Unterwasserkiller.

Christiane Peitz
Hai
Maul-Held -Foto: ddp

Bilder aus dem Paradies. Schwerelos schwebt eine Riesenschildkröte vorbei, silbrige Fischschwärme blitzen im Ozeanlicht, ein Meeresmärchen in Aquamarinblau, und Regisseur Rob Stewart streichelt den Hai. Kleiner Mann, großer Fisch – Unterwasserweltentraum.

Bilder aus der Hölle. Mitten in diesem schönsten Naturkino seit Erfindung der Kamera bricht plötzlich der Krieg aus. Die armen Haie werden von bösen Menschen gejagt, und Stewart gerät in eine regelrechte Seeschlacht mit Wilddieben, heldenhaften Umweltaktivisten und scharf schießender Küstenwache.

Kindchenschema: Wenn Robben oder kleine Eisbären bedroht sind, sorgt sich die Menschheit. Haie, diese Mörder der Meere, mag keiner. Deshalb hat der kanadische Fotograf und Hai-Fan Stewart eine Mission: Er will sie retten. Die angeblich blutrünstigen Menschenfresser sind nämlich scheue, meist friedliche Tiere und vom Aussterben bedroht. Um 90 Prozent ist die Haipopulation bereits dezimiert; mindestens 30, vielleicht sogar 100 Millionen Haie werden jährlich getötet.

Die Jäger als Beute. Die Massentötung der Haie bringt die Nahrungskette durcheinander, was wiederum das Ökosystem aus der Balance kippt und die weltweite Sauerstoffproduktion gefährdet. „Sharkwater“ ist beides: ein Tier-Abenteuerfilm wie „Die Reise der Pinguine“ und eine Klimakatastrophen-Doku nach Art von „Eine unbequeme Wahrheit“. Grund für die meist illegale Jagd ist die in China sehr beliebte Haiflossensuppe. Das Geschäft ist so einträglich wie der Drogenhandel. Und brutal: An einer einzigen, 50 Kilometer langen Fallenleine verenden Hunderte von Haien, andere verbluten, der Flossen beraubt.

Rob Stewart will viel: Vorurteile beseitigen (nein, der weiße Hai killt keine Menschen), um Sympathie werben (die hypersensiblen Tiere fühlen deinen Herzschlag), seinen tapferen Einsatz für den Tierschutz bezeugen, Verbrechen aufdecken und „die größte ökologische Zeitbombe der Gegenwart entschärfen“. Zu viel für den Erstlingsfilm eines engagierten Dilettanten, dessen Übereifer nicht nur nassforsche Flickschusterei bei der Montage zeitigt, sondern auch herrliche Stilblüten. Jährlich kommen mehr Menschen durch Getränkeautomaten um als durch Haie. Der Getränkeautomat als Tötungsmaschine, interessant.

Bei aller Action: Der Öko-Botschaft schaden die propagandistische Machart und der Popkitsch-Soundteppich. Michael Moore, Al Gore, Rob Stewart: Warum nur schlagen Filmemacher beim Kampf um die gute Sache immer diesen messianischen Ton an?

In sechs Berliner Kinos.

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