"Snowman's Land" : Coole Sache

Tomasz Thomsons Thriller-Debüt "Snowman's Land" lockt mit dem morbiden Charme der schwarzen Komödie, erinnert aber zu sehr an "Pulp Fiction", um wirklich originell zu sein.

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Spätestens seit „The Shining“ (1980) weiß der Filmkenner, dass leerstehende Gebäude in verschneiter Abgeschiedenheit meist nichts Gutes verheißen. Auch in Tomasz Thomsons „Snowman’s Land“ ist das zugeschneite Sanatorium tief im Osten Europas nicht gerade ein Ort, an dem man seinen Kuraufenthalt verbringen möchte. Wo aber Stanley Kubrick einst in den Bergen Colorados ein schauerliches Familiendrama anrichtete, lockt „Snowman’s Land“ mit dem morbiden Charme der schwarzen Komödie.

Walter (Jürgen Rißmann), ein urlaubsreifer Killer, der gerade den falschen Mann erschossen hat, nimmt einen scheinbar bequemen Auftrag an. Gemeinsam mit seinem Kollegen Micky (Thomas Wodianka) soll er den Ex-Gangsterboss Berger (Reiner Schöne) unterstützen, der die Einöde in ein „Tal der teuren Sünde“ verwandeln will.

Während Berger Wildschweine jagt, vertreiben sich Walter und Micky die Zeit mit Fernsehen und Schlittenfahren. So weit, so ereignislos. Als aber die Geliebte des Auftraggebers sich beim Liebesspiel mit Micky versehentlich eine Kugel durch den Kopf jagt, steht das tumbe Killer-Duo vor einem schweiß- und tempotreibenden Problem: Wohin mit der Leiche? Was tun, wenn Berger nach dem Verbleib seiner Freundin fragt? Zwischen dem Gangsterboss, seiner rechten Hand Kazik (Walera Kanischtscheff) und Walter und Micky geht es bald so nervös wie blutig zu. Wer kann wem trauen, wer hat wen durchschaut? Und was hat es mit den mysteriösen Bergbewohnern auf sich, die immer wieder in das Geschehen eingreifen?

„Snowman’s Land“ unterhält und ist auch spannend, trotz mancher Längen. Doch das Setting mit tolpatschigen Auftragskillern, attraktiven Gangsterbräuten, Drogen und einem rachsüchtigen Boss erinnert gar zu sehr an „Pulp Fiction“, um noch eigene Originalität beanspruchen zu können. So liegt eine gewisse Staubschicht auf dem ganzen Vorhaben, bis zum merkwürdig offenen Ende.

Seit Donnerstag im Moviemento.

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