Splatter : Halber Horror

Robert Rodriguez’ Splattermovie "Planet Terror“ ist vollgepackt mit zotigen Doppeldeutigkeiten und derben Sprüchen. Ursprünglich kam der Film in den USA als Doppelfeature mit einem Tarantino-Streifen ins Kino, hier sind sie nun getrennt zu sehen.

Julian Hanich

In einem Knalleffektgenre wie dem Horrorfilm ist die Handlung meist von bestürzender Unerheblichkeit. Fassen wir Robert Rodriguez’ „Planet Terror“ deshalb kurz und bündig zusammen: Weil ein biochemisches Experiment fehlgeschlagen ist, jagen blutrünstige Zombies durch das Bush-Land Texas. Eine Gruppe von Zähen und Tapferen wirft sich ihnen in den Weg. Die Folge: Körper werden malträtiert, zerreißen, platzen und zerfetzen. Blutfontänen zischen und spritzen. Eiter trieft, Explosionen krachen.

Das kann, man glaubt es kaum, durchaus lustig sein. Rodriguez hat schon mit „From Dusk Till Dawn“ vor aller Welt gestanden, dass er ein glühender Liebhaber des Splatterfilms ist. Auch in seiner neuesten grindig-schmutzigen Hommage an Dreck und Trash zeigt er, wie nahe Horror und Humor beisammen liegen können. Dazu kommt, dass er seinen Film vollpackt mit zotigen Doppeldeutigkeiten und derben Sprüchen. Über einen Kerl heißt es beispielsweise, er sei „nutzlos wie der Schwanz vom Papst“. Schlechter Geschmack? Genau darum geht’s ja.

„Planet Terror“ kam zusammen mit Quentin Tarantinos „Death Proof“ als Double Feature in die amerikanischen Kinos. Dort trug das Projekt den Titel „Grindhouse“, was man am besten mit Schundkino übersetzt. Oberflächlich ist „Planet Terror“ das pure Spektakel: ein ohrenbetäubendes Trommelfeuer der Effekte, wenngleich zwischendrin immer mal wieder mit Ladehemmung.

Doch der Film ist nicht ohne doppelten Boden. Amerikas „Krieg gegen den Terror“ drängt sich als Subtext auf. Bruce Willis spielt den Mann, der Osama bin Laden zur Strecke gebracht hat. Und Tarantino mimt einen widerlichen Vergewaltiger in amerikanischer Uniform. Vor allem aber flirtet Rodriguez mit der Frauen- und Fremdenfeindlichkeit des Horrorfilms – um sich gleichzeitig ironisierend davon zu distanzieren.

Als habe er all die Freud- und Lacan- inspirierten Deutungen des Genres verinnerlicht, brennt Rodriguez ein Feuerwerk bizarrer Fantasien voller Fetischismen und Ängsten ab. Männer kastrieren sich gegenseitig. Phallische Frauen in Hotpants, Miniröcken und hohen Absätzen feuern mit Maschinengewehrprothesen um sich oder schleudern Betäubungsspritzen. Und am Ende überquert eine Gruppe Überlebender vor einer 9/11-Kulisse die südliche US-Grenze: Mexiko wird zum blühenden Rückzugsgebiet aus einem verrohten und verrotteten Amerika.

In 18 Berliner Kinos; OmU im Central, OV im Cinestar Sony-Center

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