Spukfilm : Manhattan Hotel Mystery

Könnte eigentlich sterbenslangweilig sein: ein Mann in einem Zimmer. Ein Kammerspiel. Was aber, wenn die Kammer spielt – mit dem Mann? Wenn sie ihn gar zum Duell herausfordert? Im Kino: "Zimmer 1408" nach Stephen King.

Sebastian Handke
Zimmer 1408
Szene aus "Zimmer 1408". -Foto: Promo

Mike Enslin (John Cusack), einst ein hoffnungsvoller Jungautor, ist vom Tod seiner kleinen Tochter aus der Bahn geworfen: ein Zyniker, der gelangweilt die gruseligsten Orte Amerikas besucht und anschließend die entsprechenden Reiseführer schreibt. Sein Sportsgeist ist angestachelt, als ihn ein anonymer Postkartenschreiber einlädt, im Zimmer 1408 des Dolphin Hotel in Manhattan zu nächtigen – und erst recht, als der Hotelmanager (Samuel L. Jackson) ihn mit allen Mitteln davon abzubringen versucht.

Zimmer 1408 ist böse. Nicht nur, weil Bier und Nüsse acht Dollar kosten. Es hat offenbar viele Stephen-King-Romane gelesen und fährt einiges auf, um Enslin zu erschrecken, bis der fast den Verstand verliert: „Warum tötest du mich nicht einfach?“ Das Zimmer: „Du musst den Express-Check-out selber wählen“, und lässt einen Galgen von der Decke herunter. Mike macht, und da fängt der Spaß an, ein Duell daraus – jede Stunde, die ganze Nacht. Bei jeder neuen Runde springt das Weckradio auf null und spielt „We’ve Only Just Begun“ von den Carpenters.

Der schwedische Regisseur Mikael Hafström verfilmt mit „Zimmer 1408“ eine Stephen-King-Geschichte, die auch vom Verfassen einer Stephen-King-Geschichte handelt – oft erinnert sie an dessen berühmten, von Stanley Kubrick verfilmten Roman „Shining“. Den Kern auch dieser Story bildet Kings typische Verknüpfung des Horrors mit dem Kampf gegen die eigenen Dämonen – hier die Trauer um einen verlorenen Menschen.

Nach Folterpornos wie „Hostel“ oder „Saw“ tut altmodischer Psycho-Horror aus Hollywood richtig gut – die unheimlichste Szene ist ein simpler Spiegeltrick. Doch die Vorlage, eine Kurzgeschichte aus dem Jahre 1999, bietet Stoff höchstens für eine einstündige TV-Episode. In der ersten Hälfte des Films fühlt man sich oft wie Enslin, als er sich erstmals im Zimmer umsieht: „Ist das etwa schon alles?“ Zwar geben ein, zwei Twists der Sache Fahrt; auch zeigt sich John Cusack in glänzender Form. Dennoch: „Zimmer 1408“ ist nicht mehr als eine liebevoll-ironische Fußnote zu Stephen Kings bekanntem Horror-Universum. Sebastian Handke

In 17 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar Sony-Center

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