Stauffenberg-Film : Cruise dreht in Berlin - trotz scharfer Kritik

Am 19. Juli beginnen in Berlin die Dreharbeiten für den Thriller "Valkyrie" über das gescheiterte Hitler-Attentat mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Das Studio Babelsberg vermeldete nun: "Die Koproduktionsverträge sind perfekt."

Imke Hendrich[dpa]
Tom Cruise
Tom Cruise spielt Graf Stauffenberg. -Foto: AFP

PotsdamAm 19. Juli beginnen in Berlin die Dreharbeiten für den Thriller "Valkyrie" über das gescheiterte Hitler-Attentat mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Nach wochenlangen ausweichenden Reaktionen vermeldete das traditionsreiche Studio Babelsberg offiziell: "Die Koproduktionsverträge sind perfekt." Aller Diskussionen um nicht genehmigte historische Drehorte und massiver Kritik an Scientology-Anhänger Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum Trotz - der ersten Klappe steht nichts mehr im Wege. Zum Star-Ensemble zählen nach Studioangaben Kenneth Branagh, Carice van Houten, Eddie Izzard, Thomas Kretschmann, Christian Berkel und Tom Wilkinson.

"In Anbetracht des historischen Hintergrunds unseres Films war Deutschland der einzige Ort, den wir für die Dreharbeiten zu "Valkyrie" ernsthaft ins Auge gefasst haben", sagte Paula Wagner, Vorstandsvorsitzende des Produzenten United Artists. Von Verstimmungen angesichts der Absage für eine Drehgenehmigung im Berliner Bendlerblock, von dem aus Stauffenberg seinen Anschlag plante und wo er nach dessen Scheitern hingerichtet wurde, sprach sie nicht.

"Dieser Film hat nichts mit Scientology zu tun"

"Die Entscheidung in Sachen Bendlerblock ist für den Filmstandort nicht ideal und es herrschten auch starke Irritationen", sagte allerdings der Vize-Vorstandsvorsitzende von Studio Babelsberg, Christoph Fisser. Zugleich forderte er "endlich ein Ende der Diskussion", ob Cruise als Scientology-Anhänger diese Rolle besser nicht spielen sollte. "Dieser Film hat nichts mit Scientology zu tun und dieses Thema sollte ganz herausgenommen werden."

Gerade dieser Zusammenhang hatte schon vor Drehbeginn für den Film mit dem Arbeitstitel "Valkyrie" nach dem Namen der Verschwörung gegen Hitler, "Operation Walküre", für Zündstoff gesorgt. "Cruise in dieser Rolle muss verhindert werden", mahnte der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow. Cruise solle "die Finger von meinem Vater lassen", erklärte der Sohn Stauffenbergs, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg - um nur einige Stimmen zu nennen.

4,8 Millionen Euro vom Deutschen Filmförderfonds

Dagegen zeigte sich Fisser überzeugt: "Wir sind froh, dass dieser Weltstar in Babelsberg dreht und die Figur des Widerstandskämpfers verkörpert, das kann das Image Deutschlands weltweit nur stärken." "Valkyrie" erzählt die Geschichte des versuchten Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944, Regie führt Bryan Singer. Aus dem neuen Deutschen Filmförderfonds erhält das Projekt 4,8 Millionen Euro, wie Projektleiterin Christine Berg betonte.

Wo genau Cruise und seine Crew drehen werden und wann der Superstar in der Hauptstadtregion erwartet wird, wollte Fisser allerdings nicht sagen. "Wir geben keine Einzelheiten preis." Das Bundesfinanzministerium habe aber zugesichert, "alles möglich zu machen, um die Dreharbeiten zu unterstützen". Nur eben der Bendlerblock ist - mit Rücksicht auf die Würde des Ortes - tabu. In einem Wald bei Königs Wusterhausen entsteht nach Informationen der "Märkischen Allgemeinen" derzeit ein Nachbau des Führerhauptquartiers "Wolfsschanze", wo der Anschlag am 20. Juli 1944 misslang.

"Für "Valkyrie" ist sehr exakt recherchiert worden", betonte Fisser. Letztendlich werden aber die Zuschauer entscheiden, ob mit dem Streifen historisch Korrektes auf die Leinwand kommt, oder doch Berthold Schenk Graf von Stauffenberg mit seiner Befürchtung Recht behält, dass "ein grauenvoller Kitsch rauskommt".

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