Studentenkomödie : Büffeln ist das halbe Leben

„13 Semester“, eine deutsche Studentenkomödie mit Max Riemelt und der Botschaft: Arbeit ist nur das halbe Leben.

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Ob „Road Trip“, „American Pie“ oder „Natürlich Blond“ – die Liste amerikanischer Studentenkomödien ist ebenso lang wie belanglos. Jetzt hat sich erstmals ein deutscher Regisseur an das Genre gewagt: Frieder Wittichs „13 Semester“ zeigt, dass es im Leben eines Studenten um mehr geht als um Cheerleader und Dosenbier.

Momo (Max Riemelt) und Dirk (Robert Gwisdek) haben ihr Provinzdasein satt. Mit dem noch warmen Abitur in der Tasche und jeder Menge Freiheitsdurst fliehen sie aus dem heimatlichen Brandenburg nach – nicht Berlin, nein: Darmstadt!!! Eine glatte Zwei ohne große Bemühungen im Mathe-Leistungskurs scheint ihnen die ideale Voraussetzung für ein Studium der Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität zu sein.

Während Dirk und seine neuen Freunde tüchtig Gas geben und binnen kürzester Zeit generös bezahlte Praktika ergattern, droht Momo zunehmend nicht nur den Anschluss zu verlieren, sondern auch sich selbst. Er frönt dem Faulsein, fliegt aus der Lerngruppe, vergrätzt in seinem Groll die Menschen, die er liebt. Wacker begonnene Aufholversuche geraten zu kühnen Überholmanövern und enden in schmerzhaften Kollisionen.

Mehr als einmal behindern fragwürdige Geschäftsideen, Romantik im Waschsalon und der ganz normale WGWahnsinn dann das Fortkommen. Sechseinhalb Jahre voller Beziehungs- und Sinnkrisen in 90 Minuten, das macht im Schnitt knappe sieben pro Semester. Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg, der den Stoff eigentlich in einem Roman verarbeiten wollte, und Frieder Wittich aber haben sich einiges einfallen lassen, die pure Chronologie zu durchbrechen. Sie spielen erfinderisch mit Erleben und Erinnerung, Wunsch und Wirklichkeit, was nicht immer glückt.

Beachtlich die Riege junger Schauspieler: Neben Publikumsliebling Max Riemelt überzeugt der jüngst in „Inglourious Basterds“ brillierende Alexander Fehling als Momos Mitbewohner und Lebemann Bernd. Auch Claudia Eisinger als Momos Traumfrau Kerstin mag man künftig öfter auf der Leinwand sehen.

„13 Semester“, zwar bisweilen klischeehaft, nimmt sich liebevoll der Frage nach der Life-Work-Balance mit humorvoller Ernsthaftigkeit an und macht deutlich, dass Arbeit eben nur das halbe Leben ist. Damit trifft er vor allem den Nerv derjenigen, die Momo dazu gratulieren würden, dass er noch auf Diplom studieren darf. Weil für Geschichten wie die seine, für Straucheln und Selbstfindung so bedauernswert wenig Platz ist im heutigen Hochschulsystem.

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