Tandoori Love : Singen ist Silber

Culture Clash im Kino macht meistens Spaß. Schließlich öffnet das Zusammentreffen möglichst verschiedener Lebensweisen reichlich Raum für Überspitzungen. Bollywood in den Berner Alpen: „Tandoori Love“.

Lars Dittmer

Regisseur Oliver Paulus etwa wollte immer schon mal Schweizer und Inder aufeinander loslassen. In „Tandoori Love“ ist erst mal alles wunderbar: Ein Bollywood-Team eine Schmonzette vor malerischem Berner Alpenpanorama. Nur Koch Rajah (Vijay Raaz) schiebt Frust – er fühlt seine Leistungen vom Team nicht ausreichend gewürdigt und wird zudem von der Diva (Shweta Argawal) tyrannisiert. Da macht es sich gut, dass er einer rotblonden Schönheit namens Sonja (Lavinia Wilson) auf den ersten Blick verfällt. In einem Supermarkt – begleitet von einem Chor anderer Kunden – bringt er ihr ein bollywoodeskes Liebesständchen.

Sonja ist allerdings mit Markus (Martin Schick) verlobt, der mit seiner Mutter das rustikale Restaurant „Zum Hirschen“ betreibt. In dem dringenden Wunsch, bei Sonja zu landen, heuert Rajah im „Hirschen“ an und verwandelt das Lokal in eine feurige indische Spezialitätenhölle. Langsam erobert er damit Sonjas Herz – aber was wird dann aus Markus?

Berge, Seen, Heidi: Schon in den Sechziger Jahren entdeckte die indische Filmindustrie die Schweiz und stilisierte sie zum Paradies. Seitdem sind Urlaubsorte wie Interlaken Ziel zahlloser asiatischer Gäste. Bollywood-Filmproduktionen lassen hier ihre Stars lieben, singen, leiden. Leider trägt zum Leiden der Zuschauer auch Regisseur Oliver Paulus bei.

Das Problem: Dem Kitsch, den er tapfer als Kitsch stigmatisiert, verfällt er am Ende selber. So wirken seine Bemühungen, die Bollywood-Konventionen zu veralbern, rückwirkend arg unglaubwürdig. Etwa die Szene, in der die nörgelnde Diva mit ihrem Lover in bester „Titanic“-Manier über den Brienzer See schippert – zu herzzerreißender Musik. Regieanweisung: „We need more tears!“ Was aber, wenn bald alle – ganz unironisch leidenschaftlich – drauflossingen?

Am schönsten in „Tandoori Love“ ist nicht die Story, die bald reichlich zerfasert. Auch nicht die Gesangsnummern, bei denen sich schließlich das gesamte Personal in die Arme fällt. Sondern die Schwenks übers Gebirge.

Sputnik am Südstern

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