Thriller : Wodka on the rocks

"Transsiberian" von Brad Anderson lebt zunächst von seiner schmutzig-kalten Atmosphäre und einem gewissen erotischen Flair. Doch dann kommt das Thrillvehikel ordentlich ins Rollen.

Julian Hanich
Mortimer
Emily Mortimer -Foto: Universum

Amerikanische Touristen? Im eiskalten Sibirien? In einem Thriller? Ein Schuft, wer Gutes dabei denkt. Die gutherzigen Christen Jessie (Emily Mortimer) und Roy (Woody Harrelson) haben in China gerade wohltätige Dinge vollbracht. Weil der hellblonde Einfaltspinsel Roy ein ausgesprochener Zug-Liebhaber ist und die hübsche Jessie gerne pittoreske Motive fotografiert, steigen die beiden zwecks Rückreise in die Transsibirische Eisenbahn. Dort treffen sie auf den charismatischen, aber zwielichtigen Spanier Carlos (Eduardo Noriega) und seine Freundin Abby (Kate Mara). Später kommen auch noch zwei russische Polizisten hinzu, die vom wortkargen Thomas Kretschmann und dem in beinahe jeder Nationalität einsetzbaren Ben Kingsley gespielt werden. Und schon sind Jessie und Roy in Machenschaften verwickelt, die man als als eher unchristlich bezeichnen muss: Sex, Drogen und andere Grausamkeiten.

Die Moral ist glasklar. Wer sich als Amerikaner in die Fremde aufmacht, sollte schon die Härte der Pioniere mitbringen – anders gibt es keinen Landgewinn. So wird die Konfrontation mit dem Unbekannten zur letzten frontier, an der sich die US-Tugenden wiederbeleben lassen: Unerschrockenheit, Robustheit und eine gewisse Laxheit gegenüber den Regeln zivilisatorischer Affektkontrolle. Was in „Midnight Express“ die Türkei, in „Hostel“ die Slowakei war, ist hier die Einöde des Landes der zerfurchten Babuschkas und der nimmermüden Wodkatrinker. Wer das ideologisch fragwürdig findet, hat zweifellos recht. Allerdings hat sich die simple Formel ein paar Mal zu häufig für Spannungszwecke bewährt, als dass sie sich durch kritische Einwände einfach entkräften ließe.

Ja, „Transsiberian“ ist spannend. Zwar lässt Regisseur Brad Anderson („The Machinist“) seinen Film die ersten 55 Minuten recht gemächlich und auf einigen Umwegen dahinzuckeln. Der Film lebt dabei von seiner schmutzig-kalten Atmosphäre und einem gewissen erotischen Flair. Doch dann kommt das Thrillvehikel ordentlich ins Rollen. Die Spannungskurve steigt steil an. Wahr ist freilich auch, dass von diesem Zeitpunkt an der Plausibilitätsgraph rapide fällt – bis er sich am Ende dem Nullpunkt nähert. Womit Freunde des Genres freilich locker leben können.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Treptow und Hellersdorf, Colosseum,

Kinowelt Friedrichshain, Kulturbrauerei

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