Til Schweiger : Der sehr bewegte Mann

Kritiker müssen leider draußen bleiben. Jan Schulz-Ojala untersucht das Liebesbedürfnis von Til Schweiger.

Jan Schulz-Ojala

Nein, das kann kein Zufall sein. Zwei Große des neuzeitlichen Autorenfilms, die ihre Werke selber produzieren und darin gerne selbst die Hauptrolle spielen, feiern heute mit ihren neuen Hervorbringungen Premiere: Tom Cruise lädt in New York zur Besichtigung seiner „Operation Walküre“, Til Schweiger tut ein Selbiges in Berlin mit „1 ½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“.

Und doch, die Brüder im Geiste, energische Missionare für ihre ganz eigene Art von Kino, halten es in einer Sache grundverschieden: Der eine ist offen für Kritik, der andere ganz und gar nicht. Folglich hat Cruise die Rezensenten dieser Welt, wenn auch mit allerlei Sperrfristen, zur Auseinandersetzung mit seinem Werk gebeten; bei Schweiger müssen die Kritikaster, wie schon letztes Jahr bei „Keinohrhasen“, leider draußen bleiben.

Ob der streitbare Til die Weigerung, die Presse zur branchenüblichen Vorabvorführung einzuladen, selber ganz kurz ein bisschen ruppig fand? Jedenfalls hat er soeben via dpa eine lockere Erklärung nachgeschoben. Er mache Mainstreamfilme, verkündet er, und sowas würden Kritiker grundsätzlich nicht goutieren. „Deswegen sage ich: Okay, das ist euer Leben, das ist mein Leben – und wir leben jetzt aneinander vorbei.“

Keine Frage, das klingt entspannt, aber trotzdem ziemlich daneben. Denn so wie es mitunter hinreißenden Mainstream gibt und durchaus verquälte Kunstfilmanstrengungen, finden sich auch die entsprechenden Kritiken dazu. Ob da vielmehr noch Schweigers drei Jahre alte Wunde schwärt, die manche Verrisse zu „Barfuß“ gerissen haben mögen? Dem Millionenerfolg des Films hatten sie, wie üblich bei Produktionen dieser Größenordnung, freilich kaum geschadet.

Nein, Schweiger will unbedingt geliebt werden, und das ist das Problem. Unvergessen sein Austritt aus der Deutschen Filmakademie, weil die sich offenbar nicht innig genug für „Keinohrhasen“ interessierte – und sein pathetischer Wiedereintritt, weil der Austritt denn doch zu allerlei Liebesentzug geführt hatte. Unvergessen ebenso die nie ganz zurückgenommene Drohung, einen separaten Filmpreis zu gründen, bei dem Werke seines eigenen Profils sicher eher auf dem Siegertreppchen landen würden.

Auch hat der wildbewegte Mann das Tischtuch zur deutschen Filmpresse keineswegs gänzlich zerschnitten. So soll er, wie Eingeweihte raunen, handverlesene Journalisten zur Sichtung seines Filmes vorgelassen haben, rühmende Widerspiegelung des Gesehenen nicht ausgeschlossen. Überhaupt gibt sich der Star nicht medienscheu: Gefällige Interviews, Berichte vom Roten Teppich, alle den Erfolg beflügelnde Society-Berichterstattung sind herzlich willkommen. Bloß unabhängiger Journalismus nicht.

Was tun? Am besten, man sieht die Sache bis zum Filmstart am Donnerstag so entspannt wie Schweiger selber: Von Ausweiskontrollen an den Kinokassen jedenfalls hat er bislang abgesehen.

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