Tschechien : Dämpfer für "Hollywood an der Moldau"

Nach millionenschweren Großproduktionen wie "James Bond - Casino Royale" und Roman Polanskis "Oliver Twist" muss Prag einen Dämpfer als "Hollywood an der Moldau" hinnehmen. Andere Standorte sind inzwischen günstiger. Die Potsdamer "Studio Babelsberg AG" hat eine 100 Prozentige Tochter in der tschechischen Hauptstadt.

PragIm Gegensatz zu Tschechien würden zum Beispiel Ungarn und Kanada mittlerweile internationale Filmproduktionen mit speziellen Steuererleichterungen locken, sagte ein Sprecher des Barrandov-Studios in Prag. Tschechien sei deswegen bereits um mehrere Großproduktionen wie den dritten Teil der "Narnia"-Chroniken gekommen. Die Gesamtsumme von US-Aufträgen an die tschechische Filmindustrie sei von 180 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 50 Millionen im vergangenen Jahr gesunken.

Allein "Narnia", dessen ersten beide Teile wesentlich in Böhmen gedreht worden seien, besitze ein Volumen von 140 Millionen Euro. Auch Filme wie "Hellboy 2" (Ungarn) und der nächste 007-Thriller, für die Tschechien als Drehort in Erwägung gezogen worden sei, würden wegen der Kosten anderenorts entstehen. Nach Angaben des Filmzentrums in Prag sind ausländische Produktionen zu 90 Prozent am Umsatz der tschechischen Filmindustrie beteiligt. "Bleiben sie weg, geht es auch mit der heimischen Szene bergab", sagte ein Sprecherin. Erst vor einem Jahr war im Barrandov-Studio das größte Filmatelier Europas mit einer Fläche von zwölf Tennisplätzen eröffnet worden.

Bereits vor der politischen Wende waren in Prag unter anderem Kinderfilmklassiker wie "Pan Tau" entstanden. Unterstrichen wird die Bedeutung der tschechischen Hauptstadt als Filmmetropole auch von der Expansion der Studio Babelsberg AG (Potsdam). Das Unternehmen gründete im Oktober 2006 eine hundertprozentige Tochter mit Sitz auf dem Barrandov-Areal. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Carl Woebcken soll die Expansion dazu beitragen, dass Studio Babelsberg bei einem Großauftrag als Dienstleister einsteigen kann. (mit dpa)

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