''Underdogs'' : Im Streichelknast

Der beste Freund: Im Gefängnisfilm "Underdogs" werden harte Jungs zu Hundetrainern. Egal ob Pechvogel oder Berufsverbrecher – die Häftlinge müssen sich zusammenraufen, wenn sie ihre Privilegien nicht verlieren wollen.

Bodo Mrozek
Underdogs
Sitz! Häftlinge und Hunde teilen ihr Schicksal. -Foto: Farbfilmverleih

Mosk ist ein Typ, der selten lacht. Die Linien unter seinen Augen hat ihm das Leben ins Gesicht gemeißelt. Wenn ihm was nicht passt, dann schlägt er zu, selbst wenn der Gegner eine Uniform trägt. Die Konsequenzen trägt Mosk mit stoischer Härte. Zehn Jahre Knast, wegen Totschlags in besonders schwerem Fall. Einstecken und austeilen. Klimmzüge. Eisen stemmen. Auf den Gefängnismeisterschaften im Gewichtheben will Mosk zeigen, was er in den Armen hat.

Doch dann tritt Gloria in sein Leben. Die ambitionierte Gefängnisdirektorin (Clelia Sartos) sucht Freiwillige für einen Modellversuch: Häftlinge sollen Welpen zu Blindenhunden dressieren. Doch eine Töle ist das Letzte, was Mosk jetzt brauchen kann. Der Job in der Gefängniswäscherei stiehlt schon genug Zeit, den Rest braucht er fürs Training. Ein Knast ist schließlich kein Streichelzoo. Für Mosk ist klar: Er wird sich mit dem Tier keine Minute mehr als nötig beschäftigen. Den Hund begrüßt er mit einem Fußtritt.

In seinem Spielfilmdebüt „Underdogs“ bedient sich der gebürtige Lübecker Jan Hinrik Drevs einer lakonischen Bildsprache. Auf das Thema stieß der Regisseur – und Hundehalter – in den USA, wo tatsächlich Gefangene Hunde ausbilden. Drevs drehte einen Dokumentarfilm für die ARD, nun hat er „Dogsworld“ in ein Drehbuch verwandelt. Der dokumentarische Blick ist ihm geblieben: Der Film fängt den Gefängnisalltag in betongrauen Bildern ein (Kamera: Peter Przybylski). Thomas Sarbacher spielt den Mosk mit großer Glaubwürdigkeit als wortkargen Eigenbrödler. Auch die Gruppe der Gefangenen ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt: vom kleinen Ganoven (Ingo Naujoks) bis zum Mafiaboss (Wladimir Tarasjanz) bildet sie eine Typologie der Ausgestoßenen und Verirrten. Die Statisten sind auch im echten Leben Häftlinge, der Film wurde in der JVA Bützow gedreht.

Das Hunde-Experiment bildet den Rahmen für einen Sozialversuch. Egal ob Pechvogel oder Berufsverbrecher – die Männer müssen sich zusammenraufen, wenn sie ihre Privilegien als Hundetrainer nicht verlieren wollen. Sie müssen sich auf die hilflosen Tiere ebenso einlassen wie auf die Gruppe. Erst als der Mafioso ihm eindrücklich klarmacht, dass er mitspielen muss, nimmt auch Mosk das Tier ernst. Von Hundetrainer Wache (Hark Bohm) lernt er den Unterschied zwischen Einschüchterung und Erziehung, zwischen Unterwerfung und Anerkennung und kommt sogar der Direktorin bei einem Schluck illegalem Schnaps aus der Rasierwasserflasche näher. Als ein Häftling plötzlich fehlt, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Tag der Entlassung rückt näher – für die Tiere. Da werden Herr und Hund nicht mehr dieselben sein. Mosk muss sich entscheiden. „Warum soll es den Hunden hier besser gehen als uns?“, sagt er einmal in diesem anrührenden Film, der am Ende beweisen wird, dass der Mensch immer noch der beste Freund des Hundes ist.

In Berlin in den Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz, Cubix-Filmpalast Alexanderplatz, Neue-Kant-Kinos, UCI-Kinowelt Zoo-Palast

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