"Water Lilies" : Wasserballett

Eine Sommerliebe in Paris: In ihrem Debüt „Water Lilies“ erzählt die Filmemacherin Céline Sciamma von erster Liebe und schmerzvollen Erfahrungen.

Nadine Lange

Sie ist eine Schlampe und sie arbeitet hart für dieses Image. Laszives Bananeessen, verführerischer Augenaufschlag, auffällig unauffälliges Techtelmechtel mit einem älteren Mann – die 15-jährige Floriane (Adéle Haenel) hat das ganze Programm drauf. Und wird dafür von den Kolleginnen ihres Synchronschwimmteams ausgiebig gehasst. Ganz anders geht es der kleinen Marie (Pauline Acquart), die sich nach einem Wettbewerb in den Gängen des Schwimmbads herumdrückt: Sie ist fasziniert von der blonden Schönheit und beginnt, ihre Nähe zu suchen. Tatsächlich akzeptiert Floriane die immer ein wenig trotzig unter ihrem braunen Pony hervorschauende Marie – zunächst nur als Alibi für ihre Dates mit dem Schwimmer François, später auch als Freundin, der sie ihre Angst vor dem ersten Mal gesteht.

Die 28-jährige Céline Sciamma erzählt in ihrem Debütspielfilm „Water Lilies“, der letztes Jahr beim Filmfestival von Cannes lief, eine zeitlose Geschichte von erster Liebe und den damit verbundenen schmerzvollen Erfahrungen. In einer sommerlichen Pariser Vorstadtwelt, in der Erwachsenen quasi nicht vorkommen, entfalten sich die Sehnsuchtslinien zwischen den Jugendlichen mit der Präzision eines Wasserballetts. Das ist dicht und gut gemacht, wenn auch ohne jegliches Überraschungsmoment.

Denn die ganze Zeit ist klar, dass das lesbische Begehren niemals Erfüllung finden wird – ein Muster, das sich seit „Mädchen in Uniform“ (1931) durch die Filmgeschichte zieht und höchstens ausnahmsweise einmal durch ein Meisterwerk wie Lukas Moodyssons „Fucking Åmål“ durchbrochen wird. Immerhin gönnt Sciamma ihrer Marie einen intensiven Kuss mit der Angebeteten. Zudem ist sich Marie stets bewusst, dass Floriane nur mit ihr spielt, und kann deshalb auch nicht als Opfer einer fiesen femme fatale gesehen werden. Und allein bleibt sie am Ende auch nicht: Sie findet wieder zu ihrer besten Freundin Anne, die ebenfalls unglücklich verliebt ist. Die letzte Einstellung zeigt die beiden nebeneinander im nächtlichen Schwimmbad treiben – eine wunderbar stille Herzschmerz-Choreografie. Nadine Lange

Central Hackescher Markt, fsk (beide OmU)

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