Weltraum-Saga : Die bunte Bedrohung

Machen wir uns nichts vor: Die dunkle Seite der Macht mag noch so stark sein - echte Star-Wars-Fans werden sich auch den neuen Animationsfilm "The Clone Wars" anschauen. Aber lohnt sich der Kinobesuch?

Achim Fehrenbach
Anakin Skywalker
Mitten im Gefecht: Anakin Skywalker. -Foto: Promo

Überraschungen ist man von Georg Lucas gewöhnt. Wie viele Teile sein Space-Märchen haben sollte, ist dem "Star Wars"-Schöpfer wohl aber selbst nicht immer ganz klar gewesen. Ursprünglich plante Lucas zwölf Teile, dann neun, und schließlich wurden es drei, bevor Lucas dann doch noch drei weitere folgen ließ. Die insgesamt sechs Episoden bildeten ein geschlossenes Ganzes, das aber - Lucas ist clever genug - noch Platz für allerlei Zwischenhandlungen ließ. Und so verwundert es nicht, dass jetzt mit "The Clone Wars" frisches Star-Wars-Futter in die Kinos kommt. George Lucas wirkt als Produzent im Hintergrund, die Handlung ist zwischen Episode II und III angesiedelt. Aber ach: Ein Wiedersehen mit Anakin und Obi-Wan als reine Computeranimation? In der Community herrschen vor Filmstart gemischte Gefühle.

"The Clone Wars" entpuppt sich als poppiges Action-Spektakel mit unverkennbarem Stil. Fotorealistisch wie etwa "Final Fantasy" will der Film gar nicht sein. Stattdessen setzt Lucasfilm Animation auf kantige, Comic-artige Figuren inmitten bunter Weltraumlandschaften. Regisseur Dave Filoni brennt ein neunzigminütiges Action-Feuerwerk ab: Die Space-Schlachten sind bombastisch wie eh und je, die Droiden marschieren zu Tausenden und die Lichtschwerter wirbeln, dass es eine Freude ist. Kann die Handlung da mithalten?

Sie kann nicht. Leider. Was sich die drei Autoren Henry Gilroy, Steven Melching und Scott Murphy für "The Clone Wars" ausgedacht haben, grenzt schon an eine Frechheit. Selbst der tumbe Jar Jar Binks hätte mit Sicherheit ein besseres Drehbuch abgeliefert. Die Handlung im Schnelldurchlauf: Separatisten bringen die galaktische Republik zusehends in Gefahr. Während die Jedi-Ritter Anakin, Obi-Wan & Co. erbitterte Verteidigungsschlachten schlagen, verfolgt ihr Gegner Count Dooku einen sinistren Plan: Er lässt das Baby von Schwabbelklops Jabba the Hut entführen. Jabba kontrolliert Hyperraum-Straßen und ist damit ein potenziell wichtiger Verbündeter - deshalb erklären sich die Jedi dazu bereit, das Baby zu befreien; sie beauftragen Anakin mit der Rettungsaktion. Doch Count Dooku wartet nur darauf, Jabba und die Jedi gegeneinander auszuspielen.

Klotz am Bein

Dieses nicht sehr originelle Setting versuchen die Drehbuchschreiber dadurch aufzupeppen, dass sie Anakin einen aufmüpfigen Padawan zur Seite stellen: das Togruta-Mädchen Ahsoka Tano, ein talentiertes, aber auch sehr vorlautes kleines Gör. Nur widerwillig nimmt Anakin sie mit auf die Mission, für ihn ist sie anfangs nur ein Klotz am Bein. Eigentlich bieten solche Zwangsgemeinschaften viel Potenzial - man denke nur an Oger Shrek und seinen quasselnden Esel. Bei "The Clone Wars" aber geht auch das schief: Schon nach kurzer Zeit ist man der Rededuelle zwischen Lehrer und Schülerin überdrüssig. Leider gibt es auch kaum andere Figuren von Format. Eine Ausnahme: Die gefährliche Sith-Kämpferin Asajj Ventress, die Anakin und Ahsoka bei der Rettung von "Stinky" (Jabbas Baby) in die Falle lockt.

So hinterlässt der Kinobesuch einen schalen Nachgeschmack. Politsche Intrigen kommen nur am Rande vor, der Rest ist flaches, aber buntes und lautes Spektakel. So viel auch geballert wird, die riesigen Droiden-Armeen wirken alles andere als bedrohlich, eher schon wie wandelnde Streichhölzer. Auch die Mimik und der marionettenhafte Gang der Hauptfiguren können nicht überzeugen. Gestandene Persönlichkeiten wie Yoda, Obi-Wan Kenobi oder Senatorin Amidala bekommen nur kurze Auftritte - schade. Letztlich hat man den Eindruck, dass der Streifen auf ein sehr junges Publikum zielt. "The Clone Wars" ist der Kino-Pilotfilm zu einer gleichnamigen TV-Serie mit 30 halbstündigen Folgen, die im Herbst oder spätestens im nächsten Frühjahr auch im deutschen Fernsehen laufen sollen. Ob dieses Salamischeiben-Format von den an epische Breite gewöhnten Star-Wars-Fans angenommen wird, bleibt abzuwarten.

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