Zum Geburtstag : Rosa kanns nicht lassen

Der Regisseur Rosa von Praunheim wird 65. Berüchtigt für seine Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität, macht er auch heute noch Schlagzeilen. In Berlin wird der Skandalfigur nun eine Retrospektive und eine Ausstellung in gewidmet.

Axel Schock[ddp]
Praunheim
Rosa von Praunheim -Foto: ddp

BerlinEr ist umstritten, wird gehasst, geliebt und bewundert gleichermaßen. Und als Regisseur ist er so produktiv, dass im Rahmen einer Retrospektive anlässlich seines Geburtstages am Sonntag (25. November) im Berliner Kino Babylon-Mitte für jedes seiner 65 Lebensjahre ein Film gezeigt werden kann: experimentelle Kurzfilme, trashige Spielfilme wie "Die Bettwurst" (1970), filmische Biografien wie "Anita, Tänze des Lasters" (1986) über die Tänzerin Anita Berber oder den Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld ("Der Einstein des Sex", 1999). "Das Schöne am Filmemachen ist für mich, ungewöhnliche Menschen zu entdecken, die eigentlich gewöhnlich sind", sagt Praunheim, der bürgerlich Holger Mischwitzky heißt.

"Ich hatte immer wieder das Glück, dass ich auf solche Menschen traf - auf die herabgesehen wurde, weil sie exzentrisch oder einfach nur anders waren und die dann dank der Medienpräsenz zu Anerkennung gelangten." Die ehemalige "Schönheitstänzerin" und Selbstdarstellerin Lotti Huber war eine solche Gestalt. Sie trat erstmals in Praunheims Spielfilm "Unsere Leichen leben noch" auf und wurde dann in dem Dokumentarfilm "Affengeil" (1990) selbst zum Thema. In "Ich bin meine eigene Frau" zeichnete Praunheim das Leben des Berliner Transvestiten und Museumsleiters Lothar Berfelde alias Charlotte von Mahldorf nach.

Umstrittenes Engagement für Schwule

Berühmt-berüchtigt wurde Praunheim allerdings durch seine vielfältige Auseinandersetzung mit dem in den 70er Jahren noch skandalträchtigen Thema Homosexualität. Er dokumentierte die Aufbruchstimmung in den USA "(Armee der Liebenden", 1978) und später den Kampf gegen Aids ("Schweigen = Tod", 1990). Er porträtierte homosexuelle KZ-Überlebende ("Stolz und schwul", 1991) und kampfeslustige Tunten ("Tunten lügen nicht", 2002). Als 1971 sein agitatorischer Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt" in die Kinos kam, schrieb er damit ein Stück bundesdeutsche Schwulengeschichte und gab entscheidenden Anstoß zur politischen Homosexuellenbewegung im Nachkriegsdeutschland.

Mehr Feinde als Freunde machte er sich 1991, als er - auf dem Höhepunkt der Aids-Krise - in einer Talkshow Hape Kerkeling und Alfred Biolek als schwul outete, um sie für den Kampf gegen die Seuche persönlich in die Pflicht zu nehmen. Sein nachhaltiges, auch unter Schwulen nicht unumstrittenes Engagement beleuchtet anlässlich des Jubiläums eine Ausstellung im Schwulen Museum Berlin mit dem ironischen Titel "Rosa geht in Rente". "Ich denke, dass ich noch fünf produktive Jahre habe, in denen ich geistig klar bin. Da will ich noch so viel wie möglich schaffen", sagt Rosa von Praunheim. Sein nächstes Projekt: "Die Geschichte der Hölle."

In diesem Jahr hat er nicht weniger als vier Filme produziert, so den Dokumentarstreifen "Mit Olga auf der Wolga", bei dem er Senioren auf einer Schiffsreise von Moskau nach St. Petersburg begleitete. In der Komödie "Sechs tote Studenten", die im Rahmen der Berliner Retrospektive uraufgeführt wird, hat er seine Erfahrungen als Professor an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg verarbeitet. Ebenfalls in diesem Jahr hat er mit "Meine Mütter" seinen, wie Praunheim betont, traurigsten Film beendet: eine filmische Spurensuche nach seinen familiären Wurzeln. Praunheim war erst 2000 von seiner damals 94-jährigen Mutter offenbart worden, dass er während der deutschen Besatzung in Riga adoptiert worden war. Der Film soll im März in die Kinos kommen. (mit ddp)

(Ausstellung "Rosa geht in Rente. Hommage zu Rosa von Praunheims 65. Geburtstag", Schwules Museum Berlin, 25.11.-25.2.2008)

(Rosa von Praunheim Retrospektive - "65 Filme zum 65. Geburtstag" 22.11.-22.12., Kino Babylon-Mitte, Berlin)

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