Kultur : Kinoreisen um die Welt: Festival in Berlin

Preisfrage: Ob mittlerer bis größerer Lorbeer in Cannes die verlässlichste Garantie dafür ist, dass sich hierzulande ewig kein Verleih für den entsprechenden Film interessiert? „Stellet Licht“ zum Beispiel, ein ungemein stiller Liebesthriller aus der Welt der amerikanischen Mennoniten, gedreht von dem Mexikaner Carlos Reygadas, einem der aufregendsten Regisseure der Welt: Fehlanzeige. Oder Nuri Bilge Ceylans faszinierendes Protokoll einer Familien-Implosion unter dem düsteren Himmel von Istanbul: nix auf der Startliste. Oder Corneliu Porumboius Groteske „12:08 East of Bucharest“: Kam ein Jahr vor Cristian Mungius Goldener Palme für „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“. Tja. Pech. Ist wohl – zu früh – gelaufen.

Wie schön, dass das heute beginnende, zum dritten Mal in Berlin steigende Festival „Around the World in 14 Films“ neun Tage lang die Selbstwahrnehmung Deutschlands als reichlich dröge, bloß an US-Mainstream und heimischen Produktionen interessierte Filmnation trübt. Mit dem Konzept, den Werken jeweils einen moderierenden Paten beizustellen – bei den erwähnten Titeln von Wim Wenders über Lars Kraume bis Sylke Enders –, hat sich das von dem cineastischen Enthusiasten Bernhard Karl begründete und geführte Festival zudem schnell einen Namen gemacht. Und mit je einem Vorfilm von deutschen Filmhochschülern, die hier eine prominente Plattform finden, ist auch dem Nachwuchs die erste Bresche zu den großen Namen geschlagen. Mit anderen Worten: Herausgelümmelt aus den Wohnzimmern und Multiplexen ins Cineastenparadies Babylon Mitte! Zumindest bis zum 6. Dezember. jal

Details: www.berlinbabylon14.net

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