Kultur : Kippen und Kicken

FILM

Frank Noack

Die ersten Minuten versprechen einen Volltreffer. Auf einem Campingplatz wird ein Fußballspiel veranstaltet, dessen Funktion vor allem darin besteht, den Platz zu verwüsten. Eine der beiden Mannschaften heißt FC Chemoklo, entsprechend unappetitliche Gags werden geboten. Man lacht herzlich unter seinem Niveau und fragt sich zugleich: Kann dieser Zeichentrickfilm sein Tempo beibehalten? Eine Stunde später hat man sich mit der traurigen Antwort abgefunden. Er kann es nicht. Der vierte Werner-Film Werner – Gekotzt wird später ist eine mäßig amüsante Nummernrevue ohne roten Faden (in 22 Berliner Kinos).

Die Proll-Freunde Werner, Andi und Eckat fahren in den Urlaub, überwiegend mit Bierbüchsen ausgestattet. Als ihr klappriger Taunus schlapp macht, klauen sie einen Ami-Schlitten und werden von der Polizei verfolgt. Das klingt nach einer passablen Handlung, nach Action und Spannung. Doch die Gags sind zu harmlos, der Sprachwitz beschänkt sich auf komisch gemeinte Dialekte und vermeintlich komische Sprecher wie Lilo Wanders. Um das Werk auf Spielfilmlänge zu bringen, wurden irrelevante Nebenhandlungen eingebaut, die die Langeweile nur noch verstärken. Bewunderung verdient allein das Team von Zeichnern, das unter der Leitung des Trickfilm-Veteranen Michael Schaack sein Bestes gibt. Einige Bilder sind bewusst zweidimensional gehalten, andere verblüffen mit ihrer plastischen Wirkung. Bei einer nächtlichen Autofahrt durch den Wald gelingen faszinierende Scheinwerfer-Effekte. Keine Frage, hier waren Könner am Werk. Wie schade, dass nicht auch das Drehbuch einem Experten anvertraut worden ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben