Kirchenfenster : Kunst in göttlicher Mission

Die neuen Kirchenfenster von Lüpertz, Rauch & Co. setzen einen schönen Schlusspunkt unter ein enttäuschendes Kunstjahr 2007.

Nicola Kuhn

Zum Ende wird das große Kunstjahr 2007, das mit einer schwachen Documenta und einer lauen Biennale di Venezia die hochgesteckten Erwartungen schwer enttäuschte, noch einmal ganz stark. Der späte Schub kommt allerdings von überraschender Seite. Wie auf Verabredung wurden kurz vor Jahresschluss von gleich zwei prominenten Malern gestaltete Kirchenfenster übergeben: von Neo Rauch im Naumburger Dom und Markus Lüpertz in der Kölner St.-Andreas-Kirche. Erst im Sommer war das 116 Quadratmeter große Domfenster in Köln von Gerhard Richter eingeweiht worden, 2008 wird Sigmar Polke seinen Zyklus für das Zürcher Großmünster endgültig beendet haben.

Während Richters Kölner Querhausfenster in Form eines gigantischen Pixelfeldes aus 11 250 gläsernen Quadratfeldern eine Kontroverse auslöste, nicht zuletzt durch die umstrittene Bemerkung Kardinal Meisners, der diese Art abstrakter Kunst eher für eine Moschee als eine Kathedrale geeignet hielt, geben sich Lüpertz, Rauch und Polke gegenständlich- konservativ. Lüpertz illustriert das Martyrium der sieben Machabäer-Brüder und ihrer Mutter sowie Jesu Geißelung, Neo Rauch zeigt in drei Szenen das Wirken der heiligen Elisabeth, und Polke wird die Westwand mit Darstellungen zur alttestamentarischen Gestalt des Menschensohnes versehen.

Kritiker beobachten diesen Trend mit Befremden, hatten sich doch die Künstlern mit Beginn der Moderne von Gott und Vaterland, zumal der Kirche, losgesagt. Für die Kirche bedeutet dieses erwachte Interesse der Künstler, zumal prominenter Repräsentanten, am Sakralraum ein Glück. Die gegenseitige Entfremdung, ja fast völlige Abkopplung von Kirchenkunst und Kunstbetrieb weicht zugunsten einer Annäherung. Die in den letzten Jahrzehnten vor sich hin dümpelnde Sakralkunst bekommt damit eine große Chance. Umgekehrt erfahren die neuen Kirchenkünstler einen enormen Bedeutungsschub; schließlich arbeiten sie in göttlicher Mission. Die Kirche als öffentlicher Auftraggeber bietet ihnen ein fantastisches Forum, das einerseits in den Stadtraum wirkt, andererseits himmlische Mächte mobilisiert. Neo Rauchs Berliner Galerist Judy Lybke nannte bei der Präsentation der Naumburger Fenster einen weiteren Grund für diese neue Betätigungsfeld: die Unsterblichkeit. Auch die modernen Malerfürsten machen es wie die Kollegen der Renaissance nicht mehr darunter. Nicola Kuhn

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