Kultur : Kirchner-Bild als Leihgabe für Berlin?

Das Gemälde „Berliner Straßenszene“ von Ernst Ludwig Kirchner ist möglicherweise ab Dezember wieder für drei Monate in Berlin zu sehen, kündigte gestern die Direktorin des Brücke-Museums Magdalena M. Moeller bei der Jahrespressekonferenz an. Es gebe Gespräche mit dem neuen Eigentümer, dem amerikanischen Sammler und Kosmetikhersteller Ronald S. Lauder, der das Bild für sein Privatmuseum, die „Neue Galerie“, in New York erworben hatte. Lauder hatte das Werk 2006 nach dessen Restitution an die jüdischen Erben auf einer Auktion in New York für 30 Millionen Euro ersteigert. Die Restitution war damals umstritten, weil Experten zufolge unklar ist, ob das Bild zur Zeit des Nationalsozialismus tatsächlich zwangsverkauft wurde. Das derzeit gemeinsam mit Leihgaben aus dem Brücke-Museum im New Yorker Museum of Modern Art gezeigte Bild soll ab 13. Dezember im Brücke-Museum aus Anlass des 70. Todestages des Künstlers in der Ausstellung „Kirchner in Berlin“ präsentiert werden. Noch vor wenigen Wochen hatte es kategorisch von Seiten des MoMA geheißen, New York bliebe die einzige Station der Ausstellung. Offensichtlich sind die Verhandlungen mit dem neue Besitzer mittlerweile weiter gediehen. Doch auch schon vor der großen Jubiläumsausstellung im Winter wird Kirchner im Brücke-Museum gefeiert: mit einer Grafikschau ab 13. September.

Auch außerhalb Berlins will das Museum glänzen: Ab 6. September sind 130 Werke der Expressionisten-Sammlung im Moskauer Puschkin-Museum zu sehen. Die Brücke-Direktorin berichtete von einem produktiven Dialog mit der Puschkin-Direktorin Irina Antonowa und macht sich nun Hoffnung auf eine Schau mit russischen Exponaten in ihrem Haus. Dafür wäre freilich ein Anbau vonnöten, der dem 1967 erbauten Haus schon lange fehlt: für Ausstellungen, Depot, Werkstätten und Büros. Moellers Traum wäre ein zentral gelegener Neubau für 60 Millionen Euro. Was wohl Kulturstaatssekretär André Schmitz dazu sagt? Er fehlte gestern und weilt noch im Sommerurlaub. hin

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