Kirchner-Bild : Eissenhauer: Versteigerung ist "Glück im Unglück"

Die umstrittene Versteigerung des Gemäldes "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner stößt beim Präsidenten des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer, auf gemischte Gefühle.

Kassel - Dass das Werk in der New Yorker Neuen Galerie dennoch voraussichtlich weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, sei "Glück im Unglück", sagte Eissenhauer. Prinzipiell aber hätten sich durch die Versteigerung des Gemäldes für fast 30 Millionen Euro in Manhattan alle Befürchtungen bewahrheitet.

"Es lohnt sich, auf Beutezug zu gehen und zu gucken, welche Gemälde dem Kunstmarkt neues Blut zuführen können", kritisierte Eissenhauer angesichts des weit über dem Schätzpreis verkauften Werks und sprach von einem "Big Business" mit Restitutionskunst.

Lauders Galerie "nicht mit offiziellem Museum vergleichbar"

Der Präsident des Museumsbundes betonte, bei der Neuen Galerie des Kosmetikerbens Ronald S. Lauder handele es sich um eine Privateinrichtung, die mit einem öffentlichen Museum in Deutschland "überhaupt nicht vergleichbar" sei. Dass das Bild jüngst der Erbin der früheren jüdischen Besitzer zurückgegeben wurde, wertete er als "nur eine weitere Etappe auf dem Weg, den wir lange beobachten konnten".

Eissenhauer begrüßte in diesem Zusammenhang den von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) einberufenen Krisengipfel am 20. November. Es sei "ganz hervorragend", dass nun ein Kreis von Fachleuten befragt werde, wie mit der "qualitativ neuen" Situation bei der Restitutionskunst in der Bundesrepublik umgegangen werden solle. Die auch an ihn ergangene Einladung Neumanns signalisiere, dass sich die Politik "bewegen möchte", sagte Eissenhauer. (tso/ddp)

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