Kirchner : Sieben Szenen

Die "Berliner Straßenszene" ist hinausgegangen aus dem beschaulichen Brücke-Museum in die weite Welt, für 38 Millionen Dollar versteigert in New York, wo sie gleich dabehalten wurde. Bernhard Schulz über Ernst Ludwig Kirchner in "Big Apple".

Bernhard Schulz

Der Streit um die Restitution des Gemäldes ist eine kaum vernarbte Wunde. Jetzt zählt das Gemälde zu den Höhepunkten der „Neuen Galerie“, jenes Privatmuseums deutschen Namens, das der milliardenschwere Sammler Ronald S. Lauder betreibt. Er ist zugleich dem Museum of Modern Art eng verbunden – und dorthin hat er seinen Kirchner-Schatz jetzt ausgeliehen, um beizutragen zu der von morgen an geöffneten Ausstellung der sieben wichtigsten Berliner Straßenbilder Ernst Ludwig Kirchners.

„Das MoMA ist die einzige Station der Ausstellung“, heißt es kategorisch in der Pressemitteilung des Hauses – und versetzt der Hoffnung einen Tiefschlag, dass die Straßenszenen vollständig auch in Berlin zu sehen sein würden, wo das Brücke-Museum im Spätherbst das Verhältnis des Malers zur Stadt untersuchen will, seiner geliebten und gehassten Metropole. Mit diesem Spannungsverhältnis operiert jetzt auch das MoMA, das den Künstler mit den (späteren) Sätzen zitiert, die Bilder seien „in der einsamsten Zeit meines Lebens entstanden, in der mich eine quälende Unruhe Tag und Nacht auf die Straßen trieb“. Da klingt genau jene düster lockende Großstadt an, als die sich Berlin gerne sieht – und New York gerade ebenso. Nur mit dem Vorteil, dass Letztere jetzt die Höhepunkte von Kirchners Werk beherbergen kann. Berlin grüßt – aus der Ferne. Von dorther, wo die Bilder entstanden.

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