Kultur : Kirkeby-Skulpturen: Eins aufs Dach - Die Kunstwerke zieren das Bundesratsgebäude

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Vorsichtig schiebt jemand eine graue Mehrzweckdecke unter das schwebende Trumm. "Stefan, geht weiter", ruft er dann ins Funkgerät, und Stefan vom Berliner Stoppel-Krandienst senkt die zweieinhalb Tonnen schwere Skulptur langsam auf die Leipziger Straße. Die Experten von der Leverkusener Niessen Transport-Technik vertäuen die schwarze Reliefplatte neu, dann steht sie aufrecht auf dem Trottoir. "Wir machen weiter, sonst quälst du dich mit deinem Mega-Kran", sagt Niessen zu Stoppel. Ein Mitarbeiter der Düsseldorfer Giesserei bürstet noch schnell über das Kunstwerk.

Kunst als logistisches Ereignis ist in Deutschland natürlich kein Problem. Die Logistiker treten in Uniform auf, und die Hydraulik ist geölt. Da kann die Kunst, wie im Fall von Per Kirkebys Skultpuren, auch ruhig 10 000 Tonnen wiegen; da kann ihr Standort auch das Dach des neuen Bundesrates der Bundsrepublik Deutschland sein. Per Kirkeby betrachtet das Heben und Senken seiner Kunst so gelassen, als seien damit alle Fragen beantwortet. Mit Politik habe sie ohnehin "gar nichts" zu tun, mit Symbolik auch nicht. Kunst auf dem Dach, sagt er, sei vor allem Teil der Architektur. "Die meisten machen sich gar nicht so viele Gedanken. Da ist ein Gebäude, und da oben steht eben was." Braungebrannt steht Kirkeby in der Leipziger Straße, Polohemd, Leinenjacket, Segelschuhe. Dänische Leichtigkeit, auch bei einem weltweit bekannten Künstler. Dann zeigt er auf den Gießer seiner Skulpturen und sagt voller Mitgefühl: "Man sieht an seiner Körpersprache, wie angespannt er ist."

Kurz vor der Wiedereröffnung des neuen Dienstsitzes des Bundesrates im September ist nun auch der Außenbereich des Gebäudes komplett. Wo einst klassizistische Figuren standen, über der Hauptfassade und den Seitenflügeln, ragen nun zwei große und je drei kleinere schwarz-patinerte Bronzen in den Himmel. Kirkeby war auf Empfehlung des Kunstbeirats aufgefordert worden, die Skulpturen zu gestalten. Nach dem Engländer Foster ist der Däne Kirkeby damit der zweite Ausländer, der eine deutsche Volksvertretung entscheidend mitgestaltet. Das sei, räumt er ein, "für mich selber sehr überraschend" gekommen. Beeinflusst habe ihn das aber nicht, ebensowenig wie die ursprünglich figürliche Ausgestaltung des Daches. Bei Kirkeby ist die menschliche Figur ins Relief eingesunken. Nur die kleineren Eck-Skultpuren haben sich eine menschliche Physiognomie erhalten. Es sei eine "komische Mischung aus Abstraktion und Figuration" dabei herausgekommen, meint der Künstler selbst. Ohne historisierende Pathetik, schlicht seiner Intuition folgend. Dann betrachtet er, wie die Logistiker konzentriert seine zweite Skulptur vertauen.

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