Kultur : Kissenschlacht

Rolf Brockschmidt

Der Sultan ist ein glücklicher Mensch. Den ganzen lieben langen Tag hockt er auf seinem Berg aus Kissen, die ihm seine hundert Frauen gestickt haben. Und schaut aufs Meer. Mehr tut er nicht. Mehr weiß er nicht, da er nie etwas anderes getan hat. Immer hat sich jemand um alles gekümmert. Allerdings kommt der Sultan kaum noch auf seinen Kissenberg, das Klettern artet in Arbeit aus. So muss ein Fremder von der Straße als Diener für die Seilwinde herhalten, um den dicken Sultan hoch zu hieven. Irgendwie verlassen den Diener aber beim Hinunterlassen immer im entscheidenden Moment die Kräfte und der Sultan knallt auf seinen Hintern. „Du Kotzbrocken!“, lautet der wütende Kommentar des dicken Herrschers – der Diener hat seinen Namen weg.

Claudia Schreiber erzählt in ihrem ersten Kinderbuch „Sultan und Kotzbrocken“ die wundersame Geschichte einer Freundschaft zwischen Herr und Diener, denn dieser durch nichts zu beeindruckende Diener Kotzbrocken steht mit beiden Beinen im Leben, von dem der Sultan überhaupt keine Ahnung hat. Das gefällt dem Herrscher, der endlich einmal etwas zu tun hat. Und er lernt eine Menge von seinem Diener, der sich in seiner neuen Rolle sehr wohl fühlt. Auf die Umkehrung der Verhältnisse laufen viele Herr-und-Diener-Geschichten hinaus, aber Claudia Schreiber findet einen genialen Dreh, diesem Erzählmuster noch etwas Neues abzugewinnen. Nur wer bewusst faulenzt, hat etwas davon. So skurril wie die Geschichte sind die feinen Zeichnungen von Sybille Hein, an denen nicht nur Kinder ihren Spaß haben werden.

Claudia Schreiber: Sultan und Kotzbrocken. Kinderbuch. Mit Illustrationen von Sybille Hein. Hanser, München. 88 Seiten. 13,90 €.

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