Kitty Hoff : Nach dem Rauschen

Wortspiele und Musik aus Watte: Die Wahlberlinerin legt mit "Blick ins Tal" ihr zweites Album vor und verwandelt wieder Wohnzimmer in klingende Hotelbars.

Wie schwer ist es, Vergleiche zu finden für das Unvergleichliche. Immer wieder stehen wir vor diesem Problem und wissen uns nicht anders zu behelfen, als Kategorien, Genres, eben Schubladen zu schaffen, in die wir all das hineinstecken, was uns so wichtig ist, dass wir es anderen mitteilen wollen. So stehen wir vor Freunden, Bekannten, Fremden und versuchen uns in der Ordnung der Dinge, wissend, dass eine Falscheinordnung den Todesstoß bedeuten kann. Wer hat nicht schon mit glänzenden Augen von seinem Lieblingsalbum geschwärmt und es in "na ja, sagen wir mal Jazz" einsortiert, und als Reaktion erhalten: "Also mit Jazz kann ich irgendwie nichts anfangen".

Stellen wir uns deshalb vor, Musik-Genres wären Länder auf einer Landkarte. Dann würde Kitty Hoff im Dreiländereck zwischen Jazz, Pop und Chanson wohnen. Mit ihrem neuen Album "Blick ins Tal" erzählt sie nun zum zweiten Mal leichtfüßig Weisheiten aus dieser Gegend. Mit sanfter Stimme haucht sie in brillanten Texten vom Sommer auf dem Land und der Walzerkönigin, behutsam untermalt von ihrer Band Forêt-Noire.

Durchschimmernder Reggae

Über die große Freiheit weiß sie: "Die große Freiheit funktioniert nur allein. Du musst entscheiden, wie frei willst Du sein." Scheint es auf den ersten Blick um ein Ausbrechen, Fliegen, Fliehen im räumlichen Sinne zu gehen, so verraten doch zum einen der durchschimmernde Reggae, zum anderen aber die Zeilen "Das große blaue Meer rauscht Dir das Köpfchen leer" und "Ich erkenn Dich am Blick", dass es sich hier durchaus auch um eine Flucht in eine andere, nicht räumliche Welt handeln könnte.

In einem swingenden Bossa Nova fragt sie im Lied "Tok Tok Tok": Was wäre eigentlich, wenn unser Tun einen Sinn hätte? Wenn wir Spechte wären, im großen Baum Leben? Wenn all unser Klopfen, unser stetes Geklapper wenigstens als Ergebnis einen großen, globalen Rhythmus hätte?

Es fällt schwer, Vergleiche für das Unvergleichliche zu finden. Vielleicht erinnern ihre Texte ein wenig an "An einem Sonntag im April" von Element of Crime, vielleicht aber auch gerade nicht. Kitty Hoff lässt sich einfach nicht vergleichen - höchstens mit sich selbst. Jedenfalls ist dieses Album, wie auch sein Vorgänger "Rauschen" ein Juwel zwischen all den anderen deutschsprachigen Veröffentlichungen der letzten Zeit. (Von Sönke Sprink)

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