Kultur : Klänge reiben, bis sie zünden

ROCK

H.P. Daniels

Knallvoll ist die S-Bahn Richtung Wuhlheide . Aha: auch die Red Hot Chili Peppers haben Fans, die ihnen überallhin nachreisen. Wie die von Bob, Bruce und den Stones. Auf dem Weg zur Freilichtbühne sagt eine Frau mit Bierbüchse: „Ick hab mir jeschworn, nie wieda Schultheiss! Aba inda Not!“ Ein Schild am Eingang: „No Stage Diving!“ Ein paar harte Jungs mit ledrigen Jacken und Gesichtern, nach hinten gedrehten Basecaps und oberarmfüllenden Tättos. Im Innenraum Einweisung der Kumpels per Handy: „Siehste den Bierstand oben rechts, und jenau da uffda Höhe steh ick. Winkma!“

Eine Vorgruppe macht gewaltigen Lärm zu tiefgehängten Gitarren. Gesang wie das organisierte Erbrechen. Dann geht es los. Da ist Flea mit nacktem Oberkörper. Wie ein Pirat auf einem Schiff im Orkan stemmt er sich breitbeinig in die Planken, lässt den Bass stürmen und toben. Von rechts kommt John Frusciante, Haare flattern im Sturm, und die Strat kreischt. Chad Smith knattert in die Drums. Und im Zentrum springt Anthony Kiedis in einer roten Dreiviertellangen. Singt weich und warm. Hart und kühl. Vom ersten Ton alles voll da: Kraft und Energie. Hartes Geräppe wird aufgelöst in zarte Mehrstimmigkeit. Punk und Funk in weichen Wohlklang. Synchronhopsen auf jeden Taktschlag. Gitarrenstaccato. Nervöses weißes Lichtgeflatter. Violette Ruhe. Sie können laut und sie können leise. Wahre Entfesselungskünstler. Frusciante in der besten Tradition von Jimi, Jimmy und Jeff. Biegt den Körper, biegt die Seiten. Spielt „London Calling“ von den Clash an. Und Kiedis singt, was das Zeug hält. Nach knapp zwei Stunden trompetet Flea den Zapfenstreich. Brillante Band!

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