Kultur : Klang-Episoden

ULRICH AMLING

Kann sich ein Konzertprogramm, aus Werken uns so vertrauter Komponisten wie Haydn, Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Beethoven zusammengestellt, als heikel entpuppen? Und ob.Das Berliner Petersen Quartett lieferte im Kleinen Saal des Konzerthauses einen Abend der Zerrissenheit: Zum einen rütteln die ausgewählten Stücke an den kammermusikalischen Gattungsgrenzen, pendeln zwischen luftigem Divertimento und klassisch durchgeformten Quartett, zwischen solistischem Konzert und gemeinsamem Konzertieren, zwischen Episode und Stringenz.Zum anderen boten die durch Erkrankung nicht in Stammbesetzung spielenden Petersens eine ungewohnt schwankende Leistung und taten sich schwer, die Verstärkung durch die Hornistinnen Marie Luise Neunecker und Ursula Kepser zwingend in ihr Spiel zu integrieren.Bei Mozarts Hornquintett KV 407 lassen sich die Streicher weit zurückfallen, dämpfen die Dynamik und lauschen Neuneckers Hornklängen.Verständlich, denn ihr ansatzloser Wohlklang imponiert, doch das Wechselspiel zwischen erster Geige und Horn verebbt, und damit wird vorzeitig auch das Ringen um musikalische Geschlossenheit aufgegeben.Der Auftakt zum internationalen Quartett-Zyklus "Felix Mendelssohn Bartholdy" des Konzerthauses ermöglicht auch eine Begegnung mit gepflegten Vorurteilen, die ihn als flachen, "klassizistischen" Komponisten sehen.Mendelssohns Streichquartett op.44,2 mit seinen fein gegeneinander gesponnenen Stimmen blieben die Petersens in Sachen Balance und Modulation, eigentlich Stärken dieser Formation, einiges schuldig.Primgeiger Conrad Muck schlitterte im letzten Satz wiederholt über die Grenze zwischen feinnervigem und nervösem Spiel.In Beethovens Sextett für zwei Hörner und Quartett gab es abermals schöne Momente, schwelgende und signalgebende Hornstöße, apart zwar, aber alleinstehend im musikalischen Gefüge.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben