Kultur : Klang & Namen

Jubiläum: Wie die Berliner Philharmoniker 2007 feiern

Frederik Hanssen

Alles begann mit einer Revolte: Seit 1868 hatte der Dirigent Benjamin Bilse sein Orchester wie ein Diktator geknechtet. Als die Musiker 1882 zu einem Gastspiel nach Warschau 4. Klasse reisen sollten, gründeten sie sich als basisdemokratisches Ensemble neu. Nie wieder sollte ein Maestro die absolute Verfügungsgewalt über ihre Geschicke haben. Leicht war der Start in die Selbständigkeit nicht: 26 Jahre lang musste sich die „Ehemalige Bilsesche Kapelle“, die sich bald in „Philharmonisches Orchester Berlin“ umbenannte, allsommerlich vier Monate als Kurkapelle im holländischen Scheveningen verdingen. Mit Hans von Bülow begann 1887 der Aufstieg zum Spitzenensemble. 1982, zum 100. Gründungsjubiläum, waren die Philharmoniker das weltweit bekannteste Orchester. Die Feierlichkeiten krönte Herbert von Karajan mit einer Aufführung von Beethovens 9. Symphonie.

Die Berliner Philharmoniker von heute sind mit der bildungsbürgerlichen Institution von vor einem Vierteljahrhundert nicht mehr zu vergleichen. Kaum ein Musiker von damals sitzt heute noch auf dem Podium, den Geist des Orchesters prägt eine neue, junge Generation, deren ästhetisches Bewusstsein von den Karajan-Nachfolgern Claudio Abbado und Simon Rattle geprägt wurde. Kein Wunder, dass der 125. Geburtstag am 1. Mai 2007 nicht mit einem Promi-Event in der Philharmonie begangen wird, sondern in einem ehemaligen Kabelwerk in Berlin-Oberschöneweide. Simon Rattle wird Brahms’ vierte Sinfonie dirigieren sowie dessen Konzert für Violine, Cello und Orchester. Unglamourös geht es im Herbst weiter: Zum Saisonstart beschäftigt sich das Orchester mit der eigenen Geschichte während des Dritten Reiches. Hierzu gibt es ein Buch (Autor: Misha Aster), eine Ausstellung sowie einen Dokumentarfilm von dem „Rhythm is it“-Regisseur Enrique Sanchez Lansch. Zwei Dinge liegen den Philharmonikern zudem am Herzen: Einerseits wollen sie zeigen, wie wichtig für die Mitglieder neben der Arbeit im Orchester das Musizieren in kleinen Formationen ist. Am 4. November 2007 gibt es darum ein ganztägiges Kammermusikfest. Zum anderen soll eine zukunftsweisende Innovation gefeiert werden: die Education-Abteilung, die seit fünf Jahren existiert. Klassisch-historisch ist dagegen ein Projekt des Kulturradios vom RBB angelegt: Ab 7. Januar lädt der Autor Kai Luehrs-Kaiser zu einer „Klanggeschichte“ der Philharmoniker in 26 Folgen, immer sonntags um 15 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben