Kultur : Klangbad

ISABEL HERZFELD

Am Programm kann es wohl nicht gelegen haben: Mit einer abgerundeten Zusammenstellung fernöstlich inspirierter Werke ist das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin für die demnächst beginnende China-Tournee gut gerüstet.Doch unter dem auf große Wirkung bedachten Dirigat des jungen Chinesen Long Yü - unter anderem Zögling von C.A.Bünte an der hiesigen Hochschule der Künste - erscheint die schmeichelhafte Geste auch wieder anbiedernd.Das alte Volkslied mit dem poetischen Titel "Der Mond spiegelt sich im Teich" läßt man sich als Willkommensgruß gefallen, obwohl die europäisierende Streichorchester-Bearbeitung durch den in Peking geschätzten Komponisten Zu-Qiang Wu eher klischeehaft berührt.Das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold ist da schon anderes Kaliber, ein farbgesättigtes, leidenschaftlich wogendes Klanggemälde.Die aus Shanghai gebürtige Vera Tsu spielt es mit riesengroßem Ton, wie man ihn an der Juilliard-"Talentschmiede" der Dorothy Delay leider allzu einheitlich verpaßt bekommt.Das fasziniert nur einen Moment lang, wenn wie hier die Intonation häufig übers Ziel hinausschießt.Ein Königreich für ein Piano! Das bleibt auch bei Gustav Mahlers "Lied von der Erde" ein frommer Wunsch.Das Orchester, das sonst weiche Tongebung mit straffer Präzision vereint, klingt seltsam schwerfällig.Warren Moks weicher Tenor wird erwartungsgemäß übertönt; Doris Soffel verschafft ihrem Mezzo Wirkung auf eine Weise, die mit manierierten, häufig von unten angeschliffenen Schwelltönen und scharfen Nuancen wohl eher ihrer in Salzburg erfolgreichen "Klytämnestra" entspricht als dieser viel stilleren Partie.

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