Kultur : Klangmagie

ECKART SCHWINGER

Ein reizvolles zeitgenössisches Werk stand im Mittelpunkt des von Mario Venzago geleiteten BSO-Konzertes zum Tag der Deutschen Einheit.Venzago brachte im Schauspielhaus, eingerahmt von Haydn (Sinfonie Nr.95) und Schumann (Sinfonie Nr.4), auf so messerscharfe wie mitreißende Weise das immens schwierige und vielschichtige Violinkonzert (1990/92) von György Ligeti zur Aufführung.Nach Christian Tetzlaffs hochvirtuoser Präsentation mit dem Ensemble Oriol im Juni dieses Jahres war nunmehr mit Saschko Gawriloff der Uraufführungsinterpret zu erleben, der auch die Anregung gab zu diesem Werk, das zwischen choralartiger Meditation und diabolischem Appassionato angesiedelt ist und obendrein von einer fesselnd-fremdartigen Klangatmosphäre durchsetzt ist.Gawriloff bewegte sich in dem beklemmend dichten Dschungel von Ligetis Konstruktionsgeheimnissen und Mikropolyphonie mit nachtwandlerischer Sicherheit und einer geigerischen Ausdrucks- und Klangbesessenheit par excellence.Zudem förderte er mit seinem seismographischen Spürsinn eine Fülle feinster atmosphärischer Nuancen und einen geradezu exotisch wirkenden Klangfarbenzauber zutage.Die dem Werk eigenen, magischen Klangsignale und geigerischen Hexenkünste kamen in einer für manchen Hörer wohl leicht irritierenden Intensität heraus.Aber auch Mario Venzago und dem Berliner Sinfonie-Orchester, das alle hohen Hürden im Hinblick auf die horrende Spieltechnik und komplexe Klanpalette überlegen nahm, war es zu danken, daß dem außerordentlich anziehenden Violinkonzert von Ligeti im Schauspielhaus trotz einiger Hörer, die ihre Nervosität nicht verbergen wollten, ein nachhaltiger Erfolg beschieden war.

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