Kultur : Klares Ziel

Russische Museumsleute in Deutschland

Bernhard Schulz

Das deutsch-russische Kulturjahr 2003/2004 hat viele punktuelle Verbesserungen im beiderseitigen Austausch erbracht; allein das Problem der Beutekunst bleibt weiterhin ungelöst. Umso Erfreulicheres spielt sich jenseits der großen Politik ab. Unlängst beendete eine 20-köpfige Gruppe russischer Museumsleute einen dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland zur Fortbildung im Bereich des Managements. Einer vierwöchigen Seminarphase folgte ein siebenwöchiges Praktikum in einem von den Teilnehmern jeweils selbst gewählten Partnermuseum.

Die russische Museumsszene bestand nie allein aus Moskau und St.Petersburg, doch die Museen „in der Provinz“ beginnen in der internationalen Wahrnehmung erst allmählich hervorzutreten. Problematisch ist die starke Konzentration der staatlichen Mittel des stets zentralisierten russischen Staates auf die Handvoll seiner Spitzenmuseen. Aber auch da klaffen Lücken. So schöpft die Petersburger Eremitage, die unter Michail Piotrowski längst ein weltumspannendes Netzwerk von Kooperation von Wien bis New York aufgebaut hat, den Großteil des touristischen Interesses ab. Sergej Fokin vom Staatlichen Russischen Museum in der Newa-Stadt beklagt sich im Gespräch zu den Erfahrungen seines Deutschland-Aufenthaltes darüber weniger, als dass er nach Wegen sucht, wie sein Haus mithalten kann. Fokin hat sich für sein Praktikum gerade kein kunsthistorisches Haus gesucht, sondern das Museum für Kommunikation in Berlin – nicht zuletzt, um die Corporate Identity zu studieren, die dessen Direktor Joachim Kallinich dem als Stiftung organisierten Nachfolger des alten Reichspostmuseums verpasst hat. Fokin will ein klares Ziel und die entsprechende Besucher-Zielgruppe definieren. Dabei versteht sich das Russische Museum – neben der Moskauer Tretjakow-Galerie die größte Sammlungsstätte russischer Kunst – als Haus für alle Bevölkerungsschichten, sieht aber, dass es unter den gewandelten ökonomischen Bedingungen darauf ankommt, gezielt die „Besserverdienenden“ anzulocken, die bislang mangels verfügbarer Zeit um Museen einen weiten Bogen machen. Wenngleich auf Grund des Sammlungsbestandes russische Partnerinstitutionen im Vordergrund stehen – so beim Ausstellungsprogramm unter dem bezeichnenden Namen „Rossija“ –, strebt Fokin punktuelle Zusammenarbeit mit ausländischen Museen an, wie bei der Ilja-Repin-Ausstellung 2003 in der Alten Nationalgalerie.

Das aus Mitteln der Robert-Bosch-Stiftung sowie der Kulturstaatsministerin getragene und von der Deutschen Management-Akademie Celle organisierte Fortbildungsprojekt ist langfristig angelegt, bezieht kleinere Häuser mit ein und basiert auf dem Prinzip des wechselseitigen Austauschs. Die Motivation ist ohnehin auf beiden Seiten höchst ähnlich: Es geht um Geld, um Besucher, um die Positionierung in einer Gesellschaft, die sich zunehmend von ökonomischen Gesichtspunkten leiten lässt. Eine erfolgreiche Berliner Anregung jedenfalls nimmt Sergej Fokin mit nach St.Petersburg: die „Lange Nacht der Museen“.

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