Kultur : Klassentreffen

Das SaarLorLux-Kammerorchester mit Maxim Vengerov und Schülern

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Es hat schon bessere n für Kammerorchester gegeben. Doch die Idee ist gut: Gegründet in einer von jeher heftig umkämpften Region, steht das SaarLorLux-Kammerorchester für europäische Einheit. Zwar sind die von Thomas Krämer geleiteten Orchesterprofis aus dem Saarland, Lorraine und Luxemburg nicht unbedingt jung genug für Young Euro Classic. Doch bieten sie den soliden Klanghintergrund für Maxim Vengerov, den Stargeiger und jungen Professor an der Musikhochschule Saarbrücken sowie seine Schüler. Der begabteste von ihnen ist zweifellos Jan Orawiec: Mendelssohns d-moll-Violinkonzert spielt er mit virtuoser Verve, die aus der Ruhe des liebevoll ausgekosteten Tones kommt. Traumverloren beginnt 27-Jährige das Rondo für Violine und Streichorchester von Franz Schubert, trifft genau den Gesangston der Einleitung, geht Steigerungen mit zielbewusster Leidenschaft an. Wenn die Intonation hier manchmal ein wenig verrutscht, zeigt sich darin höchstens die Fragilität des Wunderwerks Geige.

So auch bei den „Mitschülern“: Einen feinen weichen Ton zeigt Philippe Mesin in Bachs a-moll Konzert, überdreht allerdings in den raschen Partien. Öczan Ulucan bietet da herzhaftere Genauigkeit. In Mozarts D-Dur-Konzert entwickelt er bemerkenswerte Gewandtheit und Kantabilität, doch das in ganz intime Beredtsamkeit vorstoßende Piano ist seine Sache (noch?) nicht.

Das bedeutsam sprechende Geigenspiel hat denn doch Meister Vengerov gepachtet: An der 2. Violine bei Bach als „Sekundant“ für Ulucan, für Mesin in Mozarts „Sinfonia concertante“ gar an der Bratsche, stiehlt er aus dem Hintergrund allen die Schau. Er strukturiert die Dialoge, setzt Klangfarben gestalthaft ein, berührt tief mit warmer Bratschenstimme im c-moll-Andante - und heizt mit seiner aus genießerischem Musizieren geborenen Präzision auch dem Orchester gehörig ein. Isabel Herzfeld

Heute, 20 Uhr, im Konzerthaus: Schweiz

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