Klassik : Bella Vita

Italienische Weltmusik im Potsdamer Nikolaisaal: Das Ensemble "L’Arpeggiata" begeistert das Publikum.

Ulrich Amling

Klassische Musik wird oft aufgeführt, aber selten wirklich gespielt. Improvisation ist eine Möglichkeit, dem drohenden musealen Trott zu entgehen und auf der Suche zu bleiben. Christina Pluhar hat sich mit ihrem Ensemble „L’Arpeggiata“ den Traum dieses permanenten Suchens erfüllt. Spezialisiert auf die italienische Musik des 17. Jahrhunderts, brechen die fulminanten Musiker auf nach Südamerika, zum Kontinent Monteverdi und kreuzen in den blauen Gewässern des Jazz, immer zwischen Volksmusik und Hochkultur pendelnd. Verbindendes Element sind die ostinaten Bässe, repetitive Klangmuster mit starker rhythmischer Kraft, die aufsteigend zum Tanz, absteigend zur Klage rufen – und von der alten bis zur neuesten Musik eine aufregende Einladung zur Improvisation bieten.

Im Potsdamer Nikolaisaal gesellen sich zu „L’Arpeggiata“ die Tänzerin Anna Dego und die Sängerin Lucilla Galeazzi, temperamentvolle Heroinen der traditionellen italienischen Musik, Gianluigi Trovesi, der Jazzklarinettist Italiens, und Philippe Jaroussky, der Countertenor des Augenblicks. Drei Mal wird er an diesem umjubelten Abend mit Monteverdis „Ohimè, ch’io cado“ (Oh weh, ich falle) die Qualen der Liebe durchwandern: kühlem Marmor gleich, von Blue Notes beflügelt, außer sich vor Exaltation. Die Musik gibt all das her und noch mehr: rasende Tarantelle, aberwitzige Kapsberger, traumhafte Romanesca. Ein von den Sitzen springendes Publikum wird reich mit Zugaben beschenkt, mit Schönheit, Verwandlungen, Hingabe. „Ah, vita bella!“ Ulrich Amling

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