Klassik-CD  der Woche: Anna Prohaska : Durch blutige Jahrhunderte

Das neue Album von Anna Prohaska erscheint rechtzeitig zum Weltkriegsgedenken:die Berliner Sopranistin singt Soldatenlieder

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Anna Prohaska: Behind The Lines.
Anna Prohaska: Behind The Lines.Foto: promo

Unerbittlich rufen Hörner zum Kampf, ziehen Trommelwirbel ins Schlachtfeld. Mittendrin eine einsame Stimme: Anna Prohaska singt Soldatenlieder. Das neue Album der Berliner Sopranistin erscheint rechtzeitig zum Weltkriegsgedenken, hätte aber jederzeit seine Berechtigung. Hier will eine umfassend artikulierte Künstlerin nicht von Jahrestagen profitieren, sondern das Ergebnis einer langen, persönlichen Recherche vorstellen. Sie begann mit englischen Kriegsromanen und führte zu einer Sammlung von Soldatenliedern, quer durch den blutigen Gang der Jahrhunderte: vom 30-jährigen Krieg bis zum Zweiten Weltkrieg.

Vom fernen Ort, wo Gustav Mahlers schöne Trompeten blasen, bis hin zum Begräbnismarsch ist der Weg nicht weit, denn, wie Hugo Wolf es in jagenden Takten erhascht, „der Tod ist ein rascher Gesell“. Prohaska blickt ihm ein uns andere Mal ins Auge, die Grenzen der eigenen Stimme immer wieder neu vermessend. Mit Schumanns „Der Soldat“, der seinen desertierenden Freund erschießen muss, mit Kurt Weills US-Mobilmachungssong „Beat! Beat! Drums!“ nach Walt Whitman.

Die Perspektivwechsel zwischen Aufruhr, Ahnung und Trauer auf der „Behind the Lines“ getauften CD sind atemberaubend, auch satirisch, aber nie willkürlich. Sie fangen das Unsagbare ein, das in bislang 14400 historisch belegten Kriegen mitschwingt. Wie sehr Anna Prohaska das Programm zu Herzen geht, konnte man bei ihrem Salzburger Liederabend erleben: Ungeschützt, aber innig verbunden mit ihrem Begleiter Eric Schneider, begibt sie sich in den Mahlstrom aus Hörnern und Trommeln. Live in Berlin zu erleben am 2. Dezember im Konzerthaus. Oder jetzt auf CD.

Erschienen bei Deutsche Grammophon

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