Klassik-CD der Woche: East Side Quartett : Acht Freunde sollt ihr sein

Ein paar Musiker des Rundfunkt-Sinfonieorchesters Berlin haben eine CD mit eigenen Schubert-Interpretationen veröffentlicht. Darauf zu hören: jede Menge Leidenschaft.

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Foto: promo
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Sie nennen sich East Side Quartett, weil sie allesamt beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin angestellt sind. Zwar wurde das RSB bereits 1923 gegründet, als erstes deutsche Radioensemble überhaupt, doch die meiste Zeit stand es in Diensten der DDR. Nach der Wende blieb es zunächst ganz im Ostteil der Stadt verwurzelt, auch dank eines treuen Stammpublikums, bis es unter Chefdirigent Marek Janowski in die Spitzengruppe der bundesdeutschen Orchester aufstieg.

Janowski war es auch, der 2010 seine Musiker animierte, sich für eine Aufführung von Schuberts Oktett bei den RSB-Pfingstkonzerten im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums zur Kammermusikformation zusammenzufinden. Seitdem machen die Streicher Philipp Beckert, Franziska Drechsel, Andreas Willwohl, So Yung Lee, Konstanze von Gutzeit und Iris Ahrens sowie der Klarinettist Oliver Linke, der Hornist Uwe Holjewilken und der Fagottist Sung Kwon You auch jenseits der Orchesterdienste zusammen Musik. Schuberts fast einstündiges Meisterwerk von 1824 wurde dabei zu ihrem signature piece, das sie nun auf CD veröffentlichen, ergänzt um ein Auftragswerk von Mario Wiegand.

Zwei ästhetische Maximen von Marek Janowski sind den RSB-Musikern hörbar in Fleisch und Blut übergegangen: Transparenz und Präzision. Bei ihrer Schubert-Interpretation fügen sie jede Menge Leidenschaft hinzu. Ob in den vom Komponisten fast sinfonisch angelegten Sätzen, ob im intimen Zusammenspiel des Adagios, stets beglückt nicht nur die Virtuosität, sondern eben auch die Vertrautheit der Musiker untereinander. Besonders packend: das Finale, als Vorahnung der „Freischütz“-Ouvertüre, wenn sich die schauerromantische Spannung der langsamen Einleitung wie bei Carl Maria von Weber in ein Jubelfinale auflöst, dessen Unbeschwertheit man nach dem Vorangegangenen nicht recht glauben mag.

Das neue Stück von Mario Wiegand entstand zwar explizit für diese CD, der 1970 geborene Chemnitzer aber liefert keine Coda, benutzt kein Material aus Schuberts Stück, sondern setzt selbstbewusst einen Kontrapunkt. Er will wissen, was für Klänge sich mit heutigen Mitteln aus der Instrumentenkombination entfalten lassen. Das Ergebnis ist anregend, weil durchaus melodisch gedacht und atmosphärisch raffiniert.
Die CD ist erschienen bei Es-Dur (Vertrieb: Edel).

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