KLASSIK-CD  der Woche : Hippe Hummeln

Sie klingen wie die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, nur halbiert und tiefer gelegt: Das Kontrabass-Sextett Bassiona Amorosa liefert ein mitreißendes Plädoyer für das unterschätzteste aller Orchesterinstrumente.

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Bassiona Amorosa
Bassiona AmorosaFoto: promo

Es ist schon eine tollkühne Idee, aus sechs Kontrabassisten eine Kammermusiktruppe zu formen. Klaus Trumpf hat es gewagt. Er hat das mannshohe Streichinstrument selber professionell gestrichen, in der Berliner Staatskapelle. Als er Professor wurde, scharte er einige besonders begabte Schüler um sich, arrangierte Klassisches wie Populäres für die Formation und schickte sie unter dem Namen „Bassiona amorosa“ in die Musikwelt hinaus. Seit 1996 ist die Bass-Bande bis nach Asien und in die USA gekommen – nd hat ihr Publikum überall überrascht. Wie „Bassiona amorosa“ klingt? Ein bisschen wie die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, nur eben halbiert und tiefer gelegt.

Der Hit ihres neuesten Albums „Boundless“ ist natürlich Rimski-Korsakows „Hummelflug“: Wenn die dicken Brummer endlich mal den angemessenen Klang haben, schwirren den Zuhörern die Ohren. Beeindruckend auch, wie die imaginären Insekten prestissimo von einem Griffbrett zum nächsten fliegen. Da sind eben echte Virtuosen am Werk.

Roman Patkolo spielt den irrwitzig schwierigen „Carnevale di Venezia“ von Paganini, dessen Thema man hierzulande als „Ein Hund kam in die Küche“ kennt – und man sieht förmlich vor dem inneren Auge, wie er ackern muss, wie das Instrument in seinem Arm tanzt, wie er sich weit vorbeugt, um die hohen Lagen spielen zu können. Die langsamen Stücke wiederum, Bachs Arioso aus dem Cembalokonzert BWV 1056 beispielsweise, sind geprägt von einer anrührend schwerfälligen Innigkeit.

Noch besser als die traditionellen Stücke funktionieren die modernen Nummern: der wilde Balkan-Pop von Grigoras Dincius „Ciocarlina“, der jazzige Drive, den Pianistin Lilian Akopova in Vladislav Cojocarus „Torero“ beisteuert, während die Bassisten im singenden Sägen brillieren. Simon Garcias suggestiv-spannungsgeladenes „Mali-malist“ bietet sich für den nächsten James Bond-Soundtrack an. Zwei Kompositionen steuert der 1977 geborene Mitspieler Giorgi Makhoshvili bei: „Disco“, mit treibenden Beats und reibenden Dissonanzen, sowie das melodieselige „Herio“. Ein mitreißendes Plädoyer für das unterschätzteste aller Orchesterinstrumente.
„Boundless“ ist bei Nasswetter Music Group erschienen.

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