Klassik-CD  der Woche : Mit liebender Beharrlichkeit

Der jungen spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado gelingt mit dem Symphonieorchester des bayerischen Rundfunks eine bewegende Interpretation von Felix Mendelssohn Bartholdys "Lobgesang"-Sinfonie

von
Pablo Heras-Casado
Pablo Heras-CasadoFoto: Harmonia Mundi

Man könnte sich jetzt fragen: Ist das denn eigentlich überhaupt eine Symphonie, die Felix Mendelssohn Bartholdy da zum 400. Geburtstag der Gutenberg’schen Revolution komponierte? Oder eher eine Kantate, ein Oratorium gar? 1840 in der Leipziger Thomaskirche uraufgeführt, vereint seine 2. Symphonie mit dem ausnahmsweise überaus treffenden Beinamen „Lobgesang“ Orchester, Chor und Solisten, um umfassend Danke zu sagen. Ganz im urprotestantischen Sinne, stellt Mendelssohn Bartholdy seinem Werk ein Zitat Luthers voran: „Sondern ich wöllt alle künste, sonderlich die Musica, gern sehen im dienst des der sie geben und geschaffen hat.“ In der Feier Gutenbergs, dessen Buchdruckkunst die Verbreitung von Wissen sowie der Lutherbibel möglich machte, verbinden sich Aufklärung und Glauben zu einem raren, hellen Moment. Mendelssohn Bartholdy, Enkel des aufklärerischen Philosophen Moses Mendelssohn, ist sein natürlicher Sänger.

Dass der „Lobgesang“ dennoch meist angestrengt wirkt, ist nicht die Schuld des Komponisten, sondern von Dirigenten, die ihm nicht wirklich trauen. Pablo Heras-Casado legt mit dem Symphonie- Orchester des Bayerischen Rundfunks nun eine Einspielung vor, die wahrhaft dankbar macht. Der junge spanische Dirigent ist intim vertraut mit Mendelssohn Bartholdys Musiksprache, er lässt ihm seine Leichtigkeit und den federnden Schritt. Er singt mit dem Orchester, wie er es zusammen mit dem fulminanten BR-Chor tut, erfüllt noch so zarte Melodielinien mit pulsierendem Leben. Aus dem Licht geht es in die Finsternis, hinein in die Stricke des Todes, die uns umfangen halten. „Hüter, ist die Nacht bald hin?“, fragt Tenor Michael Schade mit wachsender Bangigkeit.

Heras-Casado schöpft die ungeheure harmonische Spannung, die wie ein Vorausklang Wagners emporsteigt, mit liebender Beharrlichkeit aus. Und greift zum Finale zu den „Waffen des Lichts“, die der Chor preist, schafft Luft, ordnet organisch: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ Am 7. Mai dirigiert Pablo Heras-Casado für alle gläubigen Zweifler ein „Schumann pur“-Programm mit dem Freiburger Barockorchester im Kammermusiksaal. Unbedingt vormerken!

Erschienen bei Harmonia Mundi

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben