Klassik-CD der Woche: Pilar Lorengar : Spanische Nächte

Mit dem Glanz und der lyrischen Innigkeit ihres Soprans begeisterte Pilar Lorengar das Publikum. Eine 3-CD-Box präsentiert nun erstmals die Rias-Originalbänder - digital aufbereitet.

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Foto: Audite
Foto: Audite

Über drei Jahrzehnte lang ist die Deutsche Oper Pilar Lorengars künstlerische Heimat gewesen. Als Intendant Carl Ebert sie 1958 engagierte, hatte die Spanierin aus Saragossa bereits eine frühe Karriere in den Zarzuela-Theatern ihres Heimatlandes hinter sich. Bei den Sommerfestivals von Aix-en-Provence und Glyndebourne war sie dann in Mozart-Rollen aufgefallen, hatte das Publikum mit ihrer Ausstrahlung begeistert, dem Glanz und der lyrischen Innigkeit ihres Soprans. Auch in Berlin wurde sie schnell zum Liebling von Presse wie Publikum.

Dietrich Fischer-Dieskau, mit dem Pilar Lorengar 1961 bei der Eröffnung des Neubaus an der Bismarckstraße im „Don Giovanni“ auf der Bühne stand, sagte über sie: „Diese Stimme habe ich gekannt, bevor ich sie hörte. Sie holte mich ein mit ihrem Goldstrahl – weil es ein Mensch ist, der aus ihr singt.“ Bei 26 Premieren und unzähligen Repertoireaufführungen von Mozart bis Puccini, von Verdi bis Wagner wurde Lorengar über die Jahre in ihrer Deutschen Oper gefeiert, bis zu ihrer allerletzten Tosca im Juni 1990. Im Rangfoyer des Hauses erinnert eine Büste an die 1996 viel zu früh, im Alter von nur 68 Jahren an Brustkrebs verstorbene Sängerin.

Rias-Originalbänder von 1959 - 1962 digital aufbereitet

An den Anfang ihrer Berliner Jahre führt eine 3-CD-Box, die nun erstmals Rias-Originalbänder aus den Jahren 1959 bis 1962 in digital aufbereiteter Form präsentiert. Die Aufnahmen zeigen Lorengar als Opernsängerin wie auch als Liedinterpretin: Vollendet gestalteter Belcanto ist da in der „Ernani“-Arie zu erleben, mit den Berliner Philharmonikern unter Ferdinand Liva. Von entwaffnender Naivität ist ihre Mimi, während sie Pamina wie auch Liù mit verschatteter Stimme als verletzliche Charaktere gestaltet. Die Norma wie auch „Piangerò la sorte mia“ aus Händels „Giulio Cesare“ meistert sie mit Eleganz, jugendlicher Strahlkraft und schier endlosem Atem, trotz der fatal verschleppten Tempi von Arthur Rother am Pult des Radio-Symphonie-Orchesters.

Der Musik ihres Heimatlandes widmet sich die Spanierin auf den zwei Lied-CDs: Zur Gitarrenbegleitung von Siegfried Behrend singt sie Renaissance-Canzonen aus dem 16. Jahrhundert, aber auch traditionelle, heiter-tänzerische Volkslieder aus jener Sammlung, die der Dichter und Dramatiker Federico Garcia Lorca zusammengetragen hat. Zusammen mit Hertha Klut am Klavier unternimmt sie eine Zeitreise durch die spanische Salon- und Kunstliedszene zwischen 1900 und 1950. Namen wie Jesus Garcia Leoz oder Joaquin Nin tauchen da auf, die in Deutschland völlig unbekannt sind. Eine echte Entdeckung sind die zart-innigen Stücke von Jesus Girudi (1886–1961). Sanft und privat ist der Tonfall hier, mit großem Einfühlungsvermögen zeichnet Pilar Lorengar die fein geschwungenen melodischen Linien nach. In ihrer Muttersprache hat sich die gerade erst in Deutschland angekommene Sängerin damals sicher auch das Heimweh von der Seele gesungen.

Die 3-CD-Box ist bei Audite erschienen.

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