KLASSIK-CD  der Woche : Traum und Abgrund

Das Fauré Quintett und Simone Kermes konfrontieren auf ihrer spannungsreich zusammengestellten CD Jugendwerke der Komponisten Richard Strauss und Gustav Mahler.

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Die neue Cd des Fauré Quartetts
Die neue Cd des Fauré QuartettsFoto: promo

Richard Strauss hatte es leicht. Vor 150 Jahren wird er in eine hochmusikalische Münchner Familie hineingeboren, der der Aufstieg in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft gelungen war. Sein Vater Franz wirkt als weithin gerühmter Hofhornist an Wagner-Uraufführungen mit. Doch Strauss junior hatte es auch schwer. Der Künstlerpatriarch verlangt von seinem Sohn nicht nur endlosen Fleiß, er lehnt mit Wagner und Brahms zugleich auch die Hauptströmungen des gewärtigen Komponierens ab. Für Richard beginnt ein dorniger Emanzipationsprozess – der naturgemäß phasenweise in Brahms- und Wagner-Verehrung gipfeln muss. Das Klavierquartett op.13 vollendet der 21-jährige Komponist in großer Brahms-Nähe sogar in der gleichen Tonart, in der sein Vorbild jüngst ein eigenes Werk vorgestellt hatte. Brahms wird den jungen Kollegen mahnen, mehr Sorgfalt auf das Erfinden von Melodien zu verwenden.

Das Fauré Quartett präsentiert Strauss’ Klavierquartett auf einer spannungsreich zusammengestellten CD neben frühen Liedern und Jugendwerken des vier Jahre älteren Gustav Mahler, mit dem Strauss zeitlebens eine komplexe, von Achtung und Neid geprägte Beziehung verbindet. Leidenschaftlich stürzt sich das Fauré Quartett in die gesammelte Klangmacht des ausgehenden 19. Jahrhunderts, atmet wie ein Organismus und kann doch einen gewissen herrischen Unterton nicht vollends vermeiden, der ganz Strauss ist, Sohn wie Vater. Als Gegenstück spielt das Fauré Quartett den erhaltenen ersten Satz des Klavierquartetts aus der Feder des erst 16 Jahre alten Studenten Mahler. Es ist ebenfalls von Brahms geprägt, doch spürt hörbar einen anderen Himmel über sich als ihn der früh entschiedene Agnostiker Strauss fassen kann. Die Romantik verströmt noch einmal ihre metaphysische Aura, brüchig, dunkel, leuchtend.

Die Gegenüberstellung der Jugendlieder von Strauss und Mahler zeigt die Sopranistin Simone Kermes auf neuem Terrain: Nach exaltiertem Barock und tränensattem Belcanto setzt sie ihre Stimmbänder betont behutsam ein. Tastend schreitet sie durch eine Kunstwelt zwischen „Heimlicher Auforderung“ und „Wo die schönen Trompeten blasen“, zwischen Traum und Abgrund

Die CD ist bei Sony erschienen.

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