Klassik : Kurzkritik: Daniel Barenboims Divan Orchestra in Berlin

Trotz mancher Schwächen wurde das junge "West-Eastern Divan Orchester" in der Philharmonie stark bejubelt.

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KLASSIK

Schwache Füllung: Barenboims Divan Orchestra in der Philharmonie

Auftritte des West-Eastern Divan Orchestra reichen immer übers bloß Musikalische hinaus, schüren die Hoffnung, dass ein anderer Naher Osten denkbar ist. Seit zehn Jahren spielen hier Israelis und Palästinenser – und einige andere Nationalitäten – miteinander auf Augenhöhe. Wenn jetzt die Söhne der beiden Orchestergründer gemeinsam in der Philharmonie auftreten, ist das ein zusätzliches Ausrufezeichen – das aber verpufft. Alban Bergs „Kammerkonzert für Klavier und Geige mit 13 Bläsern“ ist ein hermetisches Stück, voller Buchstabensymbolik und „Hineingeheimnistem“ (Berg). Michael Barenboim (Violine) und Karim Said (Klavier) müssten für Markierungen sorgen, für Leuchttürme, Klangspitzen – verlieren sich aber in eher beiläufigem Spiel, das erst im finalen Rondo substanzieller wird. Beethovens dritte Symphonie erscheint viel leichter zugänglich, dürfte aber mindestens ebenso unerhört und verstörend auf die Zeitgenossen gewirkt haben wie Berg 120 Jahre später. Mit (für Beethoven) riesigem Orchesterapparat geht Daniel Barenboim die Eroica an, zügelt, verzögert den drängenden Impetus zu Beginn, lässt aber dann dem Spiel von Stauung und Lösung der musikalischen Energie freien Lauf. Dunkle Klangschichtungen im Trauermarsch, wo Flöte und Oboe einander feinsinnig umspielen, und golddurchwirkte, dynamisch abgeschattete Hörner im dritten Satz. Dennoch sind da Passagen, in denen einzelne Stimmgruppen schleppen, und im Finale wird das Orchester ungeduldig, kann nicht schnell genug ans Ziel kommen. Trotzdem starker, viele Minuten anhaltender Applaus, als wolle das Publikum schon mal vorglühen für den 21. August. Dann kommt das Divan Orchestra in die Waldbühne.

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