Kultur : Klassik: Rückblick: Spot an!

Cordula Däuper

Es ist immer wieder die gleiche Frage: Wie schafft es ein freies Orchester, Aufmerksamkeit und Publikum anzuziehen? Die Programmgestaltung muss es in sich haben. Besser, es werden neue Wege eingeschlagen, als ausgelatschte Trampelpfade des klassischen Repertoires abgelaufen. Das Deutsche Kammerorchester setzt auf plausible Konzepte und die Zusammenarbeit mit renommierten Künstlerpersönlichkeiten. Den Schwerpunkt des Abonnementkonzertes im Kammermusiksaal bildet das Schlagwerk. "Leitwolf" des Abends ist der Percussionist Edgar Guggeis. Im Eröffnungswerk, dem "Konzert für 8 Pauken, Bläser und Streicher" von J.W. Hertel, übt sich Guggeis mit beschwingten Schlägeln in der "Königsdisziplin" der Schlagzeuger. Eine spezielle, interessante Klangfarbe der barocken - nachgebauten - Kesselpauken, die sich mit den musikalischen Floskeln des 18. Jahrhunderts mischt. Aber was passiert, wenn der Schlagzeuger Guggeis dirigiert? Das kann man in Mendelssohns 11. Streichersymphonie in F-Dur erleben: Der Schlag stimmt. Ein impulsives Jugendwerk des damals 14-jährigen Komponisten wird flach, ohne Intensität vorgetragen. Im Gesicht und Ausdruck des Dirigenten regt sich wenig. Und was geschieht, wenn der Schlagzeuger komponiert? Er lässt die Streicher ihre Instrumente weglegen und selbst "mitklopfen". Uraufgeführt wird die Komposition "Transitions" von Guggeis und Christoph Wiedmann, der souverän die Leitung übernimmt. Guggeis triumphiert an seinen Percussioninstrumenten, an Tontöpfen, Bassdjembe und Marimbaphon. Eine turbulente Perfomance, die - in mehrfacher Hinsicht - den Kammermusiksaal in ein ungewohntes Licht setzt. Ein individueller Weg, der das Publikum begeistert.

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