Klassik : Sie lieben Brahms

Duftiger, kammermusikalischer Dialog: Das RSB spielt Brahms mit Sebastian Weigle am Pult.

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Sebastian Weigle dirigierte das Rundfunk-Sinfonieorchester.
Sebastian Weigle dirigierte das Rundfunk-Sinfonieorchester.Foto: Promo

Die Grundversorgung der Bevölkerung mit gutem Brahms ist gesichert: Publikum wie Musiker lieben seine Orchesterwerke, deren Entstehung mit der Hochblüte des Symphonieorchesters und des bürgerlichen Konzertwesens zusammenfällt. Neue Einsichten über Brahms’ dritte und vierte Symphonie erwartet man beim Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters unter Sebastian Weigle in der sturmumtosten Philharmonie dagegen nicht unbedingt – und das ist auch gar nicht schlimm. Dem schönen Slogan „Das Wesentliche ist die Musik“, auf den das Orchester seit Langem eingeschworen wurde, ist auch der uneitle Weigle verpflichtet, der beide Stücke mit einer im besten Sinne kapellmeisterlichen Klarheit und Umsicht dirigiert.

Es ist mehr als eine Geste, dass er sich am Ende den Weg durchs Orchester bahnt, um auch dem Stimmführer der Kontrabässe mit Handschlag zu danken. Tatsächlich liegt eine seiner besonderen Stärken im engen Kontakt mit den einzelnen Stimmgruppen: Weigles Brahms lebt besonders aus dem stets transparenten, oft duftigen, kammermusikalischen Dialog. Besonders ausstrahlungsreich ist der Klang dabei in den Piano- und Pianissimopassagen – so etwa zu Beginn des zweiten Satzes der dritten Symphonie, in denen fast Mozart’sche Serenadenklänge durch die warmen tiefen Streicher grundiert werden. Etwas stumpfer wirkt der Zusammenklang zunächst in den kräftigen Tuttipassagen, weshalb auch der Übergang zum merkwürdig ermattenden Schluss, den Brahms der dritten Symphonie verpasste, nicht völlig zwingend wirkt.

Völlig eins mit dem Werk scheinen sich Dirigent und Musiker in der vierten Symphonie zu fühlen, deren dichtere Struktur von Sebastian Weigle wirksam poetisiert wird. Spätestens mit dem deftigeren Allegro giocoso, dessen Fermaten von den Musikern schön breit hingesetzt werden, wirkt der gemeinsame Klang freier, erscheint das Zusammenspiel spontaner und gewinnen auch die Tuttipassagen noch einmal an Glanz und Größe. Die Blumen, die er dafür unter kräftigem Applaus erhält, legt Weigle mit bestimmter Geste auf Brahms’ Partitur.

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